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Michael Springer: Leben Sie wohl?

Roman.
Wien: Zsolnay, 1999.
206 S., geb.; öS 248.-.
ISBN 3-552-04932-0.

Link zur Leseprobe

Psychotherapie ist eine feine Sache. Besonders für den Therapeuten. Das in etwa ist der Standpunkt des selbsternannten Lebensberaters in Michael Springers Roman "Leben Sie wohl?".

Wir treffen den Protagonisten in einer Lebenskrise: Verlassen von Ehefrau und halbwüchsiger Tochter, der einträgliche Job als "Betriebsphilosoph" in einem Automobilkonzern ist ebenfalls dahin; was liegt näher, als die halbleere Wohnung für Erwerbszwecke zu nutzen, und so entsteht eine Praxis für Lebensberatung.

Im Folgenden werden verschiedene therapeutische Ansätze genauso wie das Thema "Helfer-Syndrom" auf recht leichtfüßige Weise einverleibt, der Wille zum Humor ist deutlich. Insgesamt ist das Thema Therapie (vor allem filmisch) schon mehrfach auf vielfältigste Weise abgedeckt - bis hin zu einer Kolumne in der Wochenzeitung "Zeit", die launig und witzig über die Erfahrungen einer geprüften Tochter von vier Psychotherapeuten berichtet.

Springers Roman ist in zwei Teile gegliedert: "Aus der Praxis" berichtet über die Erfahrungen des selbsternannten Therapeuten, dessen Markenzeichen die 1-Stunden-Sanduhr ist. Seine Patienten versorgt er mit Decknamen wie etwa die Unglückliche, der Unsichere, der Allwissende. Nachdem der Ehemann der Unglücklichen nach Ende der Therapie die enorm hohen, zusätzlichen (Bestechungs-)Zahlungen einstellt, die er dem Therapeuten zukommen ließ, damit dieser die ehegefährdende Behandlung abbreche, muß sich der Protagonist etwas Neues einfallen lassen: Er gründet therapeutische Wochenendausflugsgruppen, um auf diese Weise mehr als bei Einzelsitzungen zu verdienen und gleichzeitig den eigenen Wochenendblues zu beseitigen.

Der zweite Teil des Romans, "In der Praxis", bringt für den Therapeuten die zusätzliche Klienten-Perspektive: Er sucht einen asiatischen Heiler auf, den angeblich auch seine Exfrau leidenschaftlich konsultiert und der dadurch seine Eifersucht anstachelt. Am Ende des Romans steht die Begegnung mit einer interessanten Frau.

Dem Leser stellt sich die Frage, was der Autor mit diesem halblustigen Text wollte. Vielleicht einen enttäuschten Seitenhieb gegen einen sich immer besser etablierenden Berufsstand? Die seelischen Leiden der Klienten als Wohlstandswehwehchen abtun? Auch am Psycho-Kuchen mittels Buch verdienen? Jedenfalls eine Kritik mit Beißhemmung, was dem Unterfangen eher schadet als nützt.

Petra M. Rainer
23. September 1999

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