logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Lisa Spalt: gegndn.

Wien: das fröhliche wohnzimmer, 1998.
(reihe mitnichten, hrsg. v. Petra Nachbaur).
o. S., brosch.
ISBN 3-900956-43-x.

Link zur Leseprobe

"die bauchhöhle ist in aller munde": einer von vielen überraschenden, befremdenden, verfremdeten sätzen in diesem kleinen, grafisch sehr sorgfältig gestalteten (in der mitte auch grafiken enthaltenden), vor allem sprachlich wunderschönen buch - das nur aus solchen überraschenden, befremdenden, verfremdeten sätzen besteht. lisa spalts texte entstehen, indem - nicht obwohl - alle regeln der textkohärenz (und die meisten der semantik) über bord geworfen werden. die autorin schrickt nicht einmal davor zurück, ein kompositum durch einen punkt zu trennen, also ein wort auf zwei (scheinbare) sätze aufzuteilen ("erinnern wir uns gern an unerwartete schützn. hilfe traf schliesslich"). alles hier ist unsinn, manchmal spielerischer unsinn, jedoch unsinn, der sehr wohl einen sinn hat, nämlich den, sinn (und sinnstiftung) in frage zu stellen.

wenn zentrale regeln der sprache konsequent missachtet werden, alle kategorien der grammatik ihre gültigkeit verloren haben - gibt es hier eigentlich noch sätze? -, müssen andere elemente diese nicht-texte zu texten machen: assoziationen, spiele und vor allem der klang (der auch die keineswegs psychologisierenden assoziationen bestimmt). die fonetische schreibung des buchtitels macht darauf aufmerksam, dass hier (im zweiten teil des buches übrigens mehr als im ersten) laut gelesen werden muss, dass die klangliche und rhythmische komponente der sprache für lisa spalt wichtiger ist als die beziehung zwischen wort und sache, als die logik. es würde ihrem text gerecht werden, in allen einzelheiten darzustellen, welche "e" hier verschluckt, welche gesprochen werden müssen: denn einem fonetisch genauen "lebm" und "schliessn" steht auch einmal ein fast nicht sprechbares "vergangn" oder "brenn'n" oder "olivgrün'n" gegenüber. ein rezensent ist zu einer systematischen analyse nicht verpflichtet, kann aber die vermutung äussern, lisa spalt habe ein durchdachtes system (nicht nur der "e"), zwinge damit auf ihre art zum spüren der spannung zwischen gesprochener und geschriebener sprache und lasse zugleich einen rhythmus entstehen, dem man sich in den immer genau richtig langen (oder kurzen) texten nicht entziehen kann, für die das wort 'elegant' das treffendste attribut ist.

selten habe ich sprachartistische texte gelesen, die einen hohen theoretischen anspruch mit einer so leichten zugänglichkeit verbinden. "und sei ein zum sich unausgesetzt konzentrieren" - aber diese konzentration, zu der uns lisa spalts arbeiten mit ihrer konsequent richtigen falschen grammatik zwingen, ist weniger anstrengend als lustvoll. ad multa opera!

Sigurd Paul Scheichl
11. Oktober 1999

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Schreibworkshop für Mädchen von 10 bis 15 Jahren im Literaturhaus Wien

Do, 29.08.2019 10.00 bis 13.00 Uhr Eingang Seidengasse 13 Du schreibst gerne Geschichten,...

Junge LiteraturhausWerkstatt

Mi, 11.09.2019, 18.00–20.00 Uhr Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du schreibst? Du bist...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch"
– Sechzig erste Sätze –
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
OUT NOW - flugschrift Nr. 27 von Marianne Jungmaier

Eine Collage generiert aus Schlaf und flankiert von weiteren auf der Rückseite angeordneten...

Literaturfestivals in Österreich

Bachmannpreis in Klagenfurt, Tauriska am Großvenediger, Ö-Tone und Summerstage in Wien – der...