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Dieter Sperl: Alles wird gut

Klagenfurt: Ritter, 1998.
116 S., brosch., öS 188.-.
ISBN 3-85415-224-8.

Link zur Leseprobe

Damit alles gut werden kann, muß es erst einmal gründlich aus den Fugen geraten. Paul, der Protagonist aus Dieter Sperls jüngster Prosa, befindet sich in solch einer prekären Situation, er weiß nicht recht wohin mit sich, plötzlich fühlt er sich aus der Kindheit "gefallen" (S. 5). Seine Gedanken fahren nun unermüdlich Karussell, kreisen zwischen zwei Polen, die für ihn gleichermaßen unerreichbar scheinen. Auf der einen Seite als Ideal die Kindheit mit ihrer Unmittelbarkeit, am anderen Pol, die mit Schrecken besetzte genormte, erfolgsbedachte, karrieregeile Tatenwelt, dort, wo er auf keinen Fall hin möchte. Im Kopf herrscht permanenter Gedankenstau, paradoxerweise bei rasender Geschwindigkeit. Weder gibt es für ihn ein Zurück zu den "Bewegungsmöglichkeiten der Kindheit" (S. 9), noch ein Vorwärtskommen in einen neuen Zustand, eher ein unermüdliches Pendeln zwischen Euphorie und Depression.

Dieter Sperl positioniert seine Figur in einer Gedankenwarteschleife: "ich möchte nur einen einzigen klaren gedanken zusammenbringen aber es sind immer dieselben partikel die im kopf umherschweben herumkreisen" (S. 72). Er läßt seine Figur nicht zur Ruhe kommen.
In einem atemlosen Monolog "einmal ganz als innere Gedankenflut Pauls, derselbe Text ein zweites Mal aus verschiedenen Redeschnippseln zusammengesetzt" wird man auch als Leser völlig in die manischen Gedankensprünge eingesponnen, was einiges an Lesegeduld abfordert. Sperl setzt seine Textblöcke im zweiten Teil ohne Zeichensetzung zusammen, semantische Blöcke greifen ineinander, der Gedankenstrom fließt ungezügelt dahin, während die andere Variante des Textes vor allem durch die zahlreichen direkten Reden einen Taumel erzeugt. Wer sagt was über wen? Spannend ist es, diese zwei Varianten ein und desselben Textes vorgeführt zu bekommen: einmal als hermetischen Kopfmonolog, das zweite Mal als Stimmengewirr.

Was dem Autor gut gelingt, ist, den Gedankenwirbelsturm seines Protagonisten auch formal sichtbar und nochvollziehbar zu machen. Die Worte fließen in Blocksatz auf den Seiten dahin, ungegliedert wie das zwang- und sprunghafte Denken der Hauptfigur. Es gibt zu beobachten und nachzuvollziehen, wie jemand verzweifelt versucht, durch Worte alles in den Griff zu kriegen und gerade dadurch immer weiter abstürzt. Diese Stimmung, wie es ist, in der Luft zu hängen, und keinen klaren Gedanken fassen zu können, das Schwanken zwischen Hoffnung und absolutem Zusammenbruch, vermittelt Sperl sehr direkt. Bei ihm erscheint der Kopf als Apparat, der nicht zum Stillstand kommt, den man einfach nicht abschalten kann, und der bis zur Erschöpfung immer weiter Material ausspuckt. Alles wird gut, der Titel des Buches, bleibt als Motor und als vage Hoffnung präsent.

Sicherheitshalber möchten wir Sie hiermit auch über unangenehme Nebenwirkungen bei der Lektüre informieren: Der Text entwickelt einen eigenen Sog, ein zwanghaft ansteckendes Tempo. Bei übermäßigem Konsum kann das leicht zu einer nervösen, aufgekratzten Stimmung beim Lesenden führen. Rezeptur: mit regelmäßigen Pausen in kleinen Dosen zu sich nehmen.

Karin Cerny
1. Juli 1998

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