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Leseprobe: Gerald Szyszkowitz - "Die Lesereise der Katja Thaya."

Nein, bitte, ich bin nicht grundsätzlich spröde oder unzufrieden. Das Alleinsein bringt schon auch etwas. Man kann herrlich in den Tag hinein leben, ohne auf irgend jemanden Rücksicht nehmen zu müssen. Man ist für alle Entscheidungen frei. Ja, ich glaube sogar, jeder sollte hin und wieder so leben. Es macht einen leicht, man beginnt, sich selber wieder wichtig zu nehmen und sich auf seine Arbeit zu konzentrieren. In meinem Fall auf das dokumentarische Bilanzieren dessen, was man beobachtet. Und auf den therapeutischen Vorgang dabei. Denn es geht bei allem, was man schreibt, um einen selber. Wenn auch immer ebenso um die ästhetische Lust des Wortesetzens - um diesen ewigen Trieb des Verbesserns, des Genauer-treffen-Wollens -, das Allerwichtigste aber bei diesem Nur-sich-selber-verantwortlich-Sein ist, man kann sich rücksichtslos riskieren. (S. 8)

Ostslawonien Nein, heute würden nicht viele in Osijek deutsch reden, behauptet sie, aber achtzig Germanistikstudenten der Pädagogischen Fakultät sehe ich doch bei meiner Lesung im rot-weiß-roten Lesesaal im ersten Stock der Bibliothek. Aber statt der geplanten Diskussion nach meinen Texten, die, wie ich meine, für alle Deutsch Lernenden immer wichtig ist, kommt - pünktlicher als erwartet - unser Exaußenminister mit einem Troß von Mitarbeitern in den Leseraum. An der Seite von Zlatko Kramarie, dem jungen Bürgermeister von Osijek, der sogar dem Präsidenten Tudjman in aller Öffentlichkeit widerspricht, wie man hört, und beide, unser Exaußen und Kramaric eröffnen vor einer wachsenden Menge von Vertretern des öffentlichen und kulturellen Lebens der Stadt und der - wie man in Kroatien die Bezirke nennt - "Gespanschaft" Osijek nach viel Chorgesang und lobenden Wechselreden die schon vor zwei Jahren eingerichtete 'Österreich-Bibliothek'. Früher habe er nicht kommen können - wegen der vielen Termine im neuerstandenen Vielvölkerstaat Europa -, sagt unser Exaußen abgehackt, wirkt aber hoheitsvoll wie ein Erzherzog, und mich wundert, daß die Schulkinder nicht das 'Gott erhalte' anstimmen. Nach der Banddurchschneidung verleiht der Bürgermeister unserem Exaußen die Ehrenbürgerschaft der Stadt, und der nutzt die Gelegenheit, um zu betonen, daß er sich 'selbstverständlich auch weiterhin' einsetzen werde für das Wohl des kroatischen Volkes. Zum Beispiel heute in Vukovar - das noch den UN-Status habe -, wo er eine serbische Delegation an den gemeinsamen Tisch zwingen werde. Äh, bringen werde.
(S. 70f.)

(c) 1998, Edition Va Bene, Wien, Klosterneuburg.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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