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Leseprobe: Armin Thurnher - "Heimniederlage."

Die Sanktionen, das verordnete Trauma. Oder Heimniederlage: Das trifft den Kern nicht schlecht. In Valencia hatten Österreichs Fußballer null zu neun verloren. Teamchef Herbert Prohaska, der geniale Melancholiker, mußte gehen. Auf einem anderen Feld setzte es eine noch höhere Niederlage, nachdem Bundeskanzler Viktor Klima, der unglückliche Dynamiker, nicht hatte reüssieren können. Als all seine Pläne von der Verlängerung der rotschwarzen Koalition bis zum Versuch einer Minderheitsregierung gescheitert waren und es zur Bildung einer schwarzblauen Koalition kam, bestraften die Mitgliedsstaaten der EU Österreich mit einem eins zu vierzehn.
Diese sogenannten Sanktionen waren in Wahrheit die Erklärung bilateraler Maßnahmen. "Die Regierungen der 14 Mitgliedstaaten werden bilaterale offizielle Kontakte auf politischer Ebene mit einer österreichischen Regierung, welche die FPÖ einschließt, nicht fördern oder akzeptieren", sagte der Sprecher der Ratspräsidentschaft, der Portugiese Antonio Guterres. Also keine Kontakte auf Ministerebene, österreichische Diplomaten werden nur noch auf technischer Ebene empfangen. Darüber hinaus sollte es keinerlei Unterstützung für österreichische Kandidaten geben, die sich um Positionen in internationalen Organisationen bewerben. Die Erklärung war zuvor unter den 14 EU-Partnerstaaten Österreichs abgestimmt und dem Außenminister übermittelt worden.
Das war als politische Geste gewiß angebracht, in seiner Hast jedoch erstaunlich, rechtlich zwar nicht fraglich, in den Konsequenzen aber wenig durchdacht, europapolitisch sogar bedenklich. Davon, wie es so weit kommen konnte und was es alles bewirkt hat, wird noch zu reden sein. Jedenfalls schlug die Erklärung im Land ein wie eine Bombe. Sie hatte einen doppelten Effekt und warf zwei Fragen auf. Erstens: Was ist Rechtsextremismus, und was bedeutet er in Österreich? Zweitens: Was ist Österreich für Europa, und was ist Europa für Österreich?
Österreich, mit Schweden und Finnland das jüngste Mitglied der EU, fühlte sich getreten. Empörung erhob sich ob dieses Trittes, in die sich sogleich eine kaum verhohlene Befriedigung mischte: Wir sind wieder wer; die Sanktionen haben uns aus der Kiste der Mißachtung geholt. Hatten wir uns nicht um eine musterknabenhafte Präsidentschaft bemüht? Und vergalt man es uns nicht, indem man uns gelangweilt unsere Bedeutungslosigkeit spüren ließ? Jetzt aber hat uns die Welt wieder im Blick, es ist wie einst, wie in den Waldheim-Jahren, wieder tut man uns Unrecht, und wenn man uns Unrecht tut, tut das so gut, weil man uns wenigstens bemerkt!
Nur mehr ein hartgesottener Zyniker wie der Soziologe Tony Judt vermochte noch einen Satz wie folgenden zu schreiben: "Austria is a small, unimportant country in Europe." Jörg Haider avancierte zum Weltstar, rund um den Globus grinste er von den Titelseiten und aus den Bildschirmen. Mit Lust oder wohlig-masochistischem Grauen betrachteten Freunde und Gegner sein Treiben, schauten zu, wie er die Amerikaner provozierte, die Franzosen beleidigte und die Belgier kränkte, wie er im deutschen Fernsehen log, daß sich die Balken bogen, und so seinen Ruhm auf im Wortsinn schwindelnde Höhen trieb. Die Auswärtssiege dieses falschen Messias gingen der Heimniederlage voraus - und sie mästeten sich an ihr noch weiter. Auf Kosten des Torverhältnisses. Eins zu vierzehn ist kein gutes Ergebnis. Es nützte nur einem
(S. 15f.)

© 2000, Paul Zsolnay Verlag Gesellschaft m. b. H., Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

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