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Manfred Wieninger: Rostige Flügel.

Ein Marek-Miert-Krimi.
Innsbruck-Wien: Haymon, 2008.
228 Seiten; geb.; Eur 18,90.
ISBN 978-3-85218-599-0.

Link zur Leseprobe

Reichlich schmuddelig, dieser "Diskont-Detektiv" aus der österreichischen Provinz. Keine Manieren, keine Perspektiven, dafür aber auch wenig Ansprüche. Höchstens gastronomischer Natur. Die aber sind deftig. Bei Manfred Wieningers Privatdetektiv geht alles durch den Magen. Am liebsten vielgängige Menüs und schwere Rotweine. In rauen Mengen. In Wieningers fünftem Miert-Krimi "Rostige Flügel" ist der Protagonist verfressen und bärbeißig wie eh und je und glaubt, er sei ein "Brutalinski wie die anderen" auch.

Was ihn jedoch wohl von "den anderen" Brutalinskis unterscheidet, ist ein gewisser Sinn für Gerechtigkeit, eine gut verborgene, aber doch aus den Tiefen des Unterbewusstseins immer wieder hervorbrechende Menschlichkeit, die zu Taten führt, die nicht immer dem Buchstaben des Gesetzes entsprechen, aber am Ende dann doch manchmal "die Guten" gewinnen lassen. Soweit das eben möglich ist. Denn manche Netzwerke sind so weitverzweigt und so mächtig, so reich und so voller nationaler und internationaler Beziehungen, dass ein österreichischer Provinzdetektiv da keine Chance hat, etwas herauszufinden: "Solche Connections werden nur mehr in schlechten Filmen aufgerollt, in Wirklichkeit hat das Geld längst die Macht übernommen und sich eine Welt geschaffen, in der Leute wie ich keine Rolle spielen", gibt sich Miert realistisch.

Wenn es um Kriegsverbrechen, vertuschte Vergangenheit und alte Nazis geht, da kann sich ein einzelner nur die Zähne ausbeißen, da muss dann schon die Wissenschaft ans Werk. Und die könnte man ja vielleicht ein wenig unterstützen ... vielleicht auch mit etwas unkonventionellen Methoden ...

Wieninger lässt am Ende seines Buches einiges offen. Vielleicht kommt doch eines Tages die Wahrheit ans Licht. Immer wieder ein Stück davon. Besser als nichts. Bis es aber soweit ist, ist der "Diskont-Detektiv" Marek Miert mehr oder weniger unabsichtlich der ukrainischen Mafia auf die Zehen getreten, hat sich mit Drogendealern, einer falschen Ehefrau und einem Waldviertler Anarchisten herumgeschlagen, hat sich wiederholt gegen Xenophobie und Rassismus ausgesprochen, war Schneeglöckerl pflücken in der Au, Grillen in seinem Innenhof, und hat mit Klienten und Verdächtigen die eine oder andere Flasche Wein geleert. Er war Stammgast im benachbarten Bordell – zum Kaffeetrinken und Glühbirnen auswechseln. Er hat sich in einem Vier-Sterne-Hotel versteckt und den Zimmerservice voll beladen kommen lassen, ist im Gefängnis gesessen und hat bei der Polizei schließlich nicht nur einen Feind, sondern auch einen Freund gefunden. Und einen weiteren Freund in einer Gefängniszelle. Und noch einen beim Beschatten. Wenn das so weitergeht, dann wird aus Miert nachgerade noch ein soziales Wesen.

Wieningers Miert-Krimis sind in der österreichischen Provinzstadt Harland angesiedelt, hinter der sich unschwer St. Pölten erkennen lässt. Beziehungsweise ein St. Pölten mit einem Lokalkolorit zwischen Harlem und typisch österreichischem Bahnhofsviertel. In schnoddrigen Metaphern und mit viel Action erzählt Wieninger von verschiedenen Vertretern des Typus Outlaw austriacus, der sich naturgemäß nicht immer ganz leicht tut in den ländlichen Gefilden eines kleinen, konservativen Landes, aber im Dschungel einer echten Metropole wohl ebenso verloren wäre. Denn das Gewohnte gibt auch Sicherheit. Nicht nur dem Spießer, sondern auch seinen Antipoden. In Harland ist selbst die ukrainische Mafia dem Einheimischen unterlegen. In gewisser Weise.
Und so ist Miert auch diesmal wieder halbwegs heil davongekommen. Wir lassen ihn mit zwei Freunden im Hof eines Abbruchhauses zurück und sehen noch einmal von Weitem, wie er voller Genuss eine Riesengarnele in die Knoblauchsauce tunkt. Prost und Mahlzeit, bis zum nächsten Fall.

 

Sabine Dengscherz
1. April 2008

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

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