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Monika Wogrolly: Rabenbraten.

Roman
Wien: Deuticke Verlag, 2004.
364 S.; geb.; Eur 22,90.
ISBN 3-216-30733-6.

Link zur Leseprobe

Wollte man den neuen Roman "Rabenbraten" von Monika Wogrolly in einem Satz zusammenfassen, könnte dieser derart lauten: Eine Frau auf der Flucht vor sich selbst. Die namenlose Protagonistin ist freie Medizinjournalistin, Mutter zweier Kinder, verheiratet mit dem Psychiater Michele. Wir lernen sie kennen, als sie dabei ist, die Wiener Wohnung aufzulösen. Michele hat in Italien (nicht in Spanien, wie der Klappentext irrtümlich vermerkt) eine neue Existenz für die Familie, eine Praxis für Essgestörte, aufgebaut. Die Journalistin soll am nächsten Tag Wien in Richtung Italien verlassen und in Rom zu ihrer Familie stoßen, wo eine Wohnung angemietet ist. Doch es kommt anders.

Soweit zur Ausgangssituation. Was erwartet nun die Leser? Man kann den Text Roman nennen, darf aber keinen klassischen Prosatext mit erzählender Handlung erwarten, denn "Rabenbraten" setzt sich aus Zwiegesprächen und Briefmonologen zusammen, die die innere Welt der Frau darstellen. Sie redet mit Dr. Rabe, ihrem Analytiker, erzählt von ihren Seitensprüngen, spricht von den Treffen mit ihrem Mann, der immer wieder versucht, sie zurückzuholen und an sich zu binden, stellt ihre Unentschiedenheit dar. Erzählt wird von den vielen Fluchten dieser Frau, die nicht weiß, wer sie ist und was ihr Ziel ist. Was ist Fantasie, was ist Realität? Hat sie nun einen Mr. Wings, mit dem sie eine Nacht verbrachte, umgebracht, wie sie glaubt?

Sie weiß es nicht. Als Leserin beginnt man aber bald zu ahnen, dass alles, was diese Frau erzählt und erlebt, nicht einer äußeren Realität entspricht, sondern einer inneren Realität, nämlich der der Frau, und die ist ihr selbst mehr oder weniger ein Rätsel. "Manchmal weiß ich nicht, (...), ob überhaupt wahr ist, was ich da erzähle. Irgendwann fand ich heraus, dass ich zu Ausflüchten neige. Ich blicke Ihnen tief in die Augen und lüge! Aber es ist wahr und nicht gelogen, solange Sie mir glauben." Wahrheit ist damit nichts Objektivierbares, sondern ein rein subjektiver Vorgang aufseiten des Zuhörers. Die eigene Wahrheit wird abhängig vom Glauben des Zuhörenden und damit auch das Selbstbild. Insofern ist es erklärlich, dass die Namenlose, die keine eigene Wahrheit kennt, auf der Suche nach dem roten Faden in ihrem Leben, nach einer Identität ist. Es fällt ihr schwer, ihre Rolle als Mutter, Ehefrau und Journalistin anzunehmen und so flüchtet sie sich in vielerlei Fantasien und Gedankengebilde, die alle geprägt sind von der Metapher "Vogel". Doch was fasziniert die Namenlose am Vogel? Eine vermeintliche Freiheit, die es nicht einmal für Vögel gibt, da auch diese Zwängen der Natur und des Lebenskreislaufs unterworfen sind?

Es ist ein verwirrendes Buch über eine Frau, die nach dem Leben sucht und doch keine Vorstellung davon hat, wie das, was sie sucht, auszusehen hat. "Ein neues Leben, meinst du, das fliegt einfach so zum Fenster herein? Meinst du wirklich, man kann es sich bei einem Psychoanalytiker kaufen und umhängen?" Weder Mann noch Liebhaber können ihr etwas anbieten, in dem sie sich wiedererkennt und findet.

So, wie die Protagonistin den Faden ihres Lebens sucht und sich quält, so sucht der Leser nach einem roten Faden für die Lektüre und quält sich durch das Buch. Ja, einzelne Dinge sind nachvollziehbar, doch die Gesamtgeschichte dieser Frau, ihre Fluchten, ihre plötzliche Weigerung nach Italien zu gehen,... In der Gesamtheit bleibt alles nebulös, weil nicht nachvollziehbar, weil die innere Welt dieser Frau zumindest der Rezensentin ebenso fremd bleibt wie, um im Bild zu bleiben, die Welt der auf dem Baum vorm Fenster umherhüpfenden Vögel. Vielleicht aber hat Monika Wogrolly Recht, wenn sie auf der ersten Seite sagt: "Man könnte sagen, einen Vogel zu haben, sei zum Verständnis meiner Geschichte erforderlich."

 

Eva Magin-Pelich
7. Dezember 2004

Originalbeitrag

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