logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Walter Wagner: Westbahn.

Skizzen.
Wels: Edition Pangloss, 2001.
137 S., geb., öS 220.-, EUR 16.-.
ISBN 3-901132-21-X.

Link zur Leseprobe

86 Mikroerzählungen umfaßt "Westbahn", der erste Prosaband des Oberösterreichers Walter Wagner. Darin ist von einem spazierenden, auf Distanz bedachten Paar die Rede, von einem Bergbauern, der den Tod seiner Ehefrau nicht verwinden kann und sich umbringt, von einer unheimlichen Begegnung mit einer tschechischen Lyrikerin. Von Montaigne wird erzählt, von einer Andalusierin im Schneesturm und von einem Radfahrer, der stürzt und gerettet wird - man könnte die Aufzählungen beliebig fortsetzen.
Wenn man von allem erzählt, besteht die Gefahr, daß man sich im Nichts verliert. So divergent die Sujets der Erzählungen von Wagner sind, so wird doch in allen Skizzen ein Thema verhandelt: der mißbrauchte, gefährliche Begriff Heimat. Für Wagner ist Heimat keine konkrete Vorstellung, nichts Verortbares, Festes, Eindeutiges. Das Konstrukt Heimat ist nur umreißbar in seiner Veränderung und Bewegung, seinen positiven wie negativen Ausformungen. Es tritt bei Wagner entschlackt auf, befreit von seinen konservativ-volksdümmlichen Konnotationen.

Heimat ist ein zu komplexes Phänomen, um es in einer Erzählung, einem Roman zu thematisieren: Wagner braucht 86 Anläufe dazu: Kein Versuch allein vermag zu erklären, was Heimat bedeutet, aber alle zusammen geben einen facettenreichen Eindruck. Wagner greift Motive auf, läßt sie wieder fallen, kramt in seinen Erinnerungen, meditiert, erzählt von skurrilen Begegnungen, er transformiert und plaudert. Das Buch vermittelt den Eindruck des Losen, öffnet dem Leser Raum für Reflexion und fordert das permanente Überdenken der Standpunkte - ein bequemes Vergewissern wird nicht zugelassen.
Ein Ich, ein Er, eine Sie tummeln sich in den Erzählungen, alle Figuren bleiben ungreifbar, namenlos - eine fixe Erzählperspektive gibt es nicht: Das Changieren als Prinzip.
Am besten gelungen ist das Buch dort, wo Wagner sich der Anschauung des Alltags, der Beobachtung hingibt. Seine skurrilen Skizzen dagegen wirken zuweilen ein wenig konstruiert und aufgesetzt.
Heimat ist für ihn vor allem Oberösterreich, der Westbahn entlang, die die Enge der Heimat beatmet. Ihre Gleise hat die verstopften Bronchien befreit. Die Städte und Dörfer, die Wagner auf seiner Reise markiert, sind zumeist keine privilegierten touristischen Perlen. Von ihnen kann man keine Ansichtskarten kaufen, weil es keine gibt. Es sind Orte, an denen es wenig gibt, auf das man stolz sein, dessen man sich rühmen könnte, wo es eher kalt und feucht und grau ist - ungeschmückt, dafür aber authentisch. Wagner zeichnet eine Gegend, die nur von wenigen begehrt wird. Das ist nicht negativ zu sehen, ist doch deshalb die Gefahr geringer, daß einem die Heimat weggenommen, daß das Vertraute im Kitsch und Tourismus versinkt und zur Unkenntlichkeit entstellt wird.

 

Peter Landerl
8. Oktober 2001

Originalbeitrag

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Radio rosa 12 – Verena Dürr | Ilse Kilic | Caroline Profanter | Sophie Reyer

Do, 20.09.2018, 19.00 Uhr Text-Sound-Performances "Warum sind wir da, wo wir sind, wenn...

Gabriele Petricek Die Unerreichbarkeit von Innsbruck (Sonderzahl, 2018)
Jürgen Berlakovich Tobman (Klever, 2018)

Fr, 21.09.2018, 19.00 Uhr Neuerscheinung Herbst 2018 | Buchpräsentationen mit Lesungen &...

Ausstellung
ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Cognac & Biskotten

Das schräge Tiroler Literaturmagazin feiert seinen 20. Geburtstag und präsentiert sich mit einer...

Tipp
flugschrift Nr. 24 von Lisa Spalt

Wenn Sie noch nie etwas vom IPA (dem Institut für poetische Allltagsverbesserung) gehört haben,...

Literaturfestivals in Österreich

Sommerzeit - Festivalzeit! Mit Literatur durch den Sommer und quer durch Österreich: O-Töne in...