logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Alexander Widner: Gegen Tagesende.

Komödie des Alltags.
Wien, München: Deuticke, 2000.
(LeseZeichen).
395 S., brosch.; öS 198.-.
ISBN 3-216-30526-0.

Link zur Leseprobe

Alexander Widners Kärntner Philosophenkollege Konrad Paul Liessmann hat über das Scheitern großer Philosophien süffisant gemeint, der Mensch habe schon so mit dem Leben zu tun, daß er keine Zeit mehr hätte, es gut zu tun.
Dieser eingebremste Lebenssinn ist auch das Motto von Alexander Widners "Komödie des Alltags", worin der Autor von September 1997 bis September 1998 jeweils "gegen Tagesende" hin versucht, den Tag irgendwie aufzuschreiben und vor dem Zeitverfall zu retten.

Die Ausgangslage ist fatal: Ein denkender Mensch, nach Kärnten in den geistigen Widerstand verschlagen, muß ein Jahr lang gegen das unheimliche Niveau der Provinz ankämpfen. Hinzu kommt noch eine körperliche Verfassung, die von Kuraufenthalt, Arztbesuch, kompletter Müdigkeit und totaler Sehnsucht nach Frühpension gekennzeichnet ist. So geschieht tagelang wirklich nicht mehr, als daß der Körper mit allerhand Durchhalte-Parolen zum Weitermachen überredet wird. Und kaum gibt der Körper einen Frieden, setzen starke Rückschläge in Gestalt von üppigen Eß-Eskapaden oder Alkohol-Attacken ein, so daß einmal sogar während der Kur die Verdauung einen Retourgang einlegt.

Alexander Widner notiert unbarmherzig und gestaltet auch in jenen aussichtslosen Augenblicken, in denen ein anderer vielleicht nur mehr ein Stichwort hingeworfen hätte, ganze Textblöcke.
"Die vier Gründe, in Klagenfurt zu wohnen und zu bleiben: das Kreuzbergl, der Donnerstagmarkt, der See und Tarvis." (S.139)

In dieses Alltagsgemetzel sind freilich höchst philosophische Bemerkungen und Erkenntnisse eingelagert. Der Autor hat zwei Strategien gegen das Verblöden entwickelt: die eine besteht im Lesen und Kommentieren des Gelesenen, die andere ist eine beinahe debile Hinwendung an Presse und Fernsehen und das fassungslose Gelächter über das Dargebotene.
So kommt es mehr oder weniger gleichzeitig zu einer fast bewundernswerten Hommage an den Käfersammler Ernst Jünger, für den der Krieg ein Spiel war und der trotz Rauchens beinahe hundertdrei Jahre alt geworden wäre, und andererseits zu einer Skizze über eine Bundeskanzlergattin, die für caritative Zwecke Tag und Nacht am Golfplatz einlocht.
Beide Erkenntnis-Schienen führen schließlich zu einem Bild, das auf erschreckend flachem Niveau ein grunzend-dahindümpelndes Österreich zeigt. So sind auch Wutausbrüche erklärbar, in denen alle erschossen werden sollen, die zu diesem desaströsen Bild beitragen.

Die Textform "Komödie des Alltags" ist raffiniert gewählt, denn auf dieser halb öffentlichen, halb privaten Bühne der Alltäglichkeit haben die Gedanken die Chance, vor dem Autor und Leser vorzusprechen. Und der Werkstattcharakter ermöglicht unter dem Aspekt des vorläufigen Ausprobierens Gedankengänge, die in einer rein öffentlichen Fiktion nicht erlaubt wären.

Ähnlich wie in Manfred Mosers gnadenlos aufklärendem Provinzroman "Second Land" erfährt der Leser alles über "die People of Klagenfurt", das sind jene Lokalmatadore, die auch heuer wieder nicht die Aufnahme in den Villacher Fasching geschafft haben.
Umso heroischer wirken dann jene Passagen, in denen von der Arbeit des Klagenfurter Literaturhauses berichtet wird, sein Leiter Klaus Amann muß täglich elf neue Leben haben, von denen er in diesem Geistesklima täglich zehn verliert. "Gegen Tagesende" ist ein Überlebensbuch, das manchmal sarkastisch, manchmal widerborstig, aber stets mit ungeheurer Zähigkeit den Ablauf des Alltags kommentiert. Und sei es auch nur als Seufzer "Übles Tagesgemisch!", mit dem der 20. Februar festgehalten wird.

Helmuth Schönauer
10. März 2000

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Schreibworkshop für Mädchen von 10 bis 15 Jahren im Literaturhaus Wien

Do, 29.08.2019 10.00 bis 13.00 Uhr Eingang Seidengasse 13 Du schreibst gerne Geschichten,...

Junge LiteraturhausWerkstatt

Mi, 11.09.2019, 18.00–20.00 Uhr Schreibwerkstatt für 14- bis 20-Jährige Du schreibst? Du bist...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch"
– Sechzig erste Sätze –
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
OUT NOW - flugschrift Nr. 27 von Marianne Jungmaier

Eine Collage generiert aus Schlaf und flankiert von weiteren auf der Rückseite angeordneten...

Literaturfestivals in Österreich

Bachmannpreis in Klagenfurt, Tauriska am Großvenediger, Ö-Tone und Summerstage in Wien – der...