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Richard Wall: Stein- und Neonschrift.

Gedichte.
Baden: Grasl, 2000.
64 S., geb.; öS 90.-.
ISBN 3-85098-251-3.

Link zur Leseprobe

Ein schärferer Kontrast in einem Titel als der zwischen Steinschrift und Neonschrift läßt sich wohl kaum finden. Und dennoch steckt dieser Buchtitel bestens die Bandbreite der Lyrik Richard Walls ab, denn seine Gedichte sind genau zwischen den archaischen Zeichen der Landschaft und den schrillen urbanen Spots einer Neonnacht angesiedelt.

Richard Wall, der auch Skulpturist und Bildhauer ist, arbeitet immer wieder mit bereits benützten Materialien, abgegriffene Werkzeuge, ausgeleierte Radlager oder auch leer-geblickte Farbflächen führt er einer neuen Verwendung zu.

In den kunsttheoretischen und philosophischen Schriften, man denke nur an die hervorragende Hommage an Wittgensteins Irland, und in den lyrischen Texten sind es bevorzugt ausgelebte Gesichter und abgearbeitete Hände von Künstlern, die Richard Wall als Ausgangspunkt für seine Überlegungen nimmt.

Drei Schwerpunkte weist der Lyrikband "Stein- und Neonschrift" auf, der als Band 84 in der von Manfred Chobot in zeitlos geduldiger Manier betreuten Reihe "Lyrik aus Österreich" erschienen ist.
Im ersten Teil, "Risse entlang Splitterbilder", sticht ein lyrisches Porträt W. H. Audens hervor, den das lyrische Ich mit Original- und Empfindungszitaten an der Gedenkstätte "lyrisch vorort" aufsucht. Die Annäherung an Kirchstetten, die dominante Autobahn, das für die Literaturwissenschaft relativ hilflos zurechtgerückte Museum, die Gerätschaften und Buchtitel verschmelzen zu einem Text voller Besinnung, Anerkennung und Ehrfurcht. Und daß der Text gelungen ist, merkt der Leser spätestens daran, daß er sich fest vornimmt, ein Stück W. H. Auden zu lesen.
Andere Porträts gelten etwa dem Stempelschneider und Schriftgießer Claude Garamond, dessen Schrift wir höchstens noch beim Ausprobieren frischer Software verwenden, oder Othmar Zechyr, dem 1996 verstorbenen Meister menschenleerer Zeichnungen.

Der zweite Abschnitt des Lyrikbandes handelt vom "Überleben am Land". Richard Wall lacht oft selbst über den Namen seines Geburtsortes und meint, enger als in Engerwitzdorf kann es gar nicht mehr werden. Und dabei ist es vor allem das Land, auf das sich die aktuell-letzte Welt zurückgezogen hat. Während sich etwa an der kleinen Gusen die letzten Naturkräfte sammeln, wahrscheinlich für den letzten Kampf, werden von der NATO die letzten Vorbereitungen für Luftangriffe auf Jugoslawien getroffen. Allein die Verbindung dieser beiden Gedichte ergibt wiederum eine aktualisierte Botschaft.
Richard Wall arbeitet lange an der Zusammenstellung der Gedichte, als ausgebildeter Kollagist weiß er, wie verschiedene Botschaften im jeweiligen Umfeld reagieren.

Der dritte Teil der Gedichte heißt "Neue Rechtschreibung". Der Titel verblüfft, weil man einem philosophischen Programm, wie es Richard Wall vorträgt, nicht zumuten will, daß es von etwas so Verunglücktem wie die Rechtschreibung handeln soll. Ein zweiter Blick klärt freilich auf, hier ist das Recht gemeint, das gebeugt wird in einer Gesellschaft ohne Rechtsempfinden. In diesem Abschnitt ist auch ein Böhmen-Zyklus inkludiert, die Gedichte verströmen etwas von der Begeisterung, daß die granitene Landschaft sich nicht unterkriegen läßt und daß auch die Menschen einen Zug zu den entscheidenden Dingen des Lebens haben, auch wenn sie manchmal wortkarg sind.

Die Gedichte verbreiten allemal Gelassenheit, die guten Dinge brauchen ihre Zeit, aber dafür halten sie. Auch der Leser wird mit der Lektüre der meist kompakten Texte immer langsamer, und es entsteht das beruhigende Gefühl, daß sich die Lyrik Richard Walls auch durch noch so schnelles Lesen nicht überholen läßt.

Helmuth Schönauer
29. Dezember 2000

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