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Leseprobe: Ilse Walter - "Best of Qualtinger."

SIE Viere is's, und ang'soffen bist. Wo warst?
Er steht auf, geht in die Küche und trinkt Wasser. Er steckt auch seinen Kopf, der schmerzt, unter die Wasserleitung. Als er zurückkommt, hat sich Stefanie umgedreht. Der Flanell über ihrer Brust ist verrutscht, und eine Menge weißes, schwabbeliges Felisch wird im Ausschnitt sichtbar.
Er lehnt sich an den Türstock und starrt auf ihren Ausschnitt.

ER Du wirst es nicht glauben, aber ich erzähl's dir trotzdem. Stell dir vor ... ich weiß nicht, warum ich es getan habe. Es gibt keine Entschuldigung dafür ... ich schäme mich. Stefferl! Er hat Tränen in den Augen. Ich hab' dich betrogen!
Sie wartet.
ER Es war am Schwedenplatz, gegen sieben: Ich hab' Überstunden gemacht. Ich steh' und wart' auf die Tramway. Da bleibt plötzlich ein Auto neben mir stehen, ein roter Jaguar E. Eine Dame beugt sich heraus und fragt nach dem Weg zum Cobenzl. Ich merk' gleich, daß sie eine Ausländerin ist, später schau' ich auf die Nummer: eine Amerikanerin. Sie war allein. Eine Rothaarige, nicht mehr jung und auch nicht grad' schön, aber du weiß ja: wenn eine Geld hat, kann sie was aus sich machen. Ich erklär' ihr den Weg, sie versteht nicht, lacht, ein Wort gibt das andere - ich weiß nicht, wie ... da sitz' ich schon neben ihr ... Wir sind auf den Cobenzl gefahren und haben Sekt getrunken ... Sie hat mir ihre Lebensgeschichte erzählt. Du, so reiche Frauen, die machen auch was mit! Stefferl, neben solchen Tragödien bist du ein glückliches Weib! Darum fährt sie in der Welt herum und sucht Vergessen. Sie hat geweint, sie hat mir so leid getan ... Aber weißt, Stefferl, ich hab' die ganze Zeit nur an dich in deinem Betterl da gedacht, wie du auf mich wartest ... und wie ich dann weg bin von ihr, hat mir vor mir selber gegraust, trotzdem sie so reich und so fein und so unglücklich ist ...
Er setzt sich auf ihre Bettkante, nimmt ihre Hände.
ER Stefferl, kannst du mir verzeihen?
SIE zieht ihre Hände zurück: Viere is's, und ang'soffen bist. Wo warst?
Er starrt sie an. Haß steigt in seinen Augen auf und dann Verzweiflung.
ER Wo wer' i scho' g'wes'n sein? Er kehrt ihr den Rücken zu. Im Tschoch an der Eck'n natürlich, wie immer. Mir ham Kart'n g'spült, und der Novak hat wieda verlur'n.
Dunkel. (S. 181f.)

© 1999, Deuticke, Wien, München.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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