logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Josef Winkler: Domra.

Am Ufer des Ganges.
Roman.
Frankfurt / Main: Suhrkamp, 1996.
263 S., geb.; DM 38.-.
ISBN 3-518-40803-8.

Link zur Leseprobe

Das Werk von Josef Winkler ist eine fortgesetzte Expedition in Bereiche von Sterben und Tod. Was mit der frühen Romantrilogie ("Menschenkind", "Muttersprache" und "Der Ackermann aus Kärnten") begann und mit dem 1990 publizierten Italienbuch "Friedhof der bitteren Orangen" weitergeführt wurde, setzt sich in dem Roman "Domra" auf außereuropäischem Boden fort: Die Winklersche Welt- und Seelenerkundung findet diesmal an einem indischen Schauplatz statt.

Besser hätte der Ort nicht gewählt sein können: die Leichenverbrennungsstätten des Harishchandra Ghat und des Manikarnika Ghat am Ufer des Ganges - jene Plätze also, an denen die titelgebenden Domra ihre Arbeit versehen. Von den täglichen Verrichtungen dieser Menschengruppe, die der Kaste der Unberührbaren zugehört, bleibt bei Winkler kein Detail verborgen. Mit einer grünen Bambusstange beispielsweise schlägt einer von ihnen unablässig auf einen rauchenden Unterarm ein, der sich während des Verbrennung zu weit vom Scheiterhaufen weggestreckt hatte - noch den daraus resultierenden Funkenflug hält Winkler fest.

Vor Wiederholungen (die dem Text einen stark ritualisierenden Charakter verleihen) schreckt der Autor in seinen Schilderungen nicht zurück; in den Aufzeichnungen bieten sich Momentaufnahmen des täglich gleichförmigen Geschehens. Neben den Aktivitäten der Domras rücken dabei deren Kinder ins Blickfeld, in ihnen bietet sich ein überbordendes Bild des Lebens und der aufkeimenden Sexualität.

Es ist (in diesem Gemisch aus Leben und Wiedergeburt) keine Folklore des Andersartigen, die "Domra" beschreibt. Das Buch durchmißt statt dessen eine Ent-Fernung der Heideggerschen Art; eine Ent-fernung, die den Autor über den fremden Kult an sich selbst heranbringt. In Indien hat Winkler abermals einen Weg zu den eigenen Daseinswelten gefunden. So fremd und exotisch die Beobachtungen auch anmuten mögen, bleiben sie doch von den Kärntner Privatmythen grundiert. Das Toten- und Lebenszeremoniell am Ganges fungiert als Katalysator der eigenen Vorstellungen, Wünsche und Projektionen.

Der Unterschied zum Genre des Reisebuches, in dem kulturelle Differenzen emphatisch beschrieben werden, um sie dann umso jovialer einzuebnen, könnte nicht größer sein: Josef Winkler hat mit "Domra" keinen Reiseführer über Indien, sondern ein avanciertes Textgeflecht verfaßt, in dem der Zusammenhang von Leben, Schreiben und Tod über die konkreten Beobachtungen hinaus eine allegorische Umsetzung erfährt. Erstaunlich ist, daß diese Umsetzung dem Autor auch abseits des Katholizismus und auf der Basis einer ganz anderen und fremden Bilderwelt gelingt.

Klaus Kastberger
6. Mai 1998

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Preis der Literaturhäuser 2018 : Jaroslav Rudiš

Mo, 23.04.2018, 19.00 Uhr Laudatio & Preisträgerlesung Der Preis der Literaturhäuser 2018...

4 x Poesie – Esther Strauß | Lydia Steinbacher | Oravin | Christoph Szalay

Di, 24.04.2018, 19.00 Uhr Lesungen Im Rahmen des vom Literarischen Quartier Alte Schmiede...

Ausstellung
alfred goubran | gerhard maurer – WO ICH WOHNE BIST DU NIEMAND. heimat | identität

05.03. bis 24.05.2018 Der Autor Alfred Goubran und der Fotograf Gerhard Maurer widmen sich in...

Wendelin Schmidt-Dengler (1942–2008)

16.04. bis 30.05.2018 Wendelin Schmidt-Dengler war nicht nur einer der einflussreichsten...

Tipp
OUT NOW – flugschrift Nr. 23 von Kinga Tóth

Kinga Tóths flugschrift, die den Titel SPRACHBAU trägt, ist vorübergehende Begrenzung einer...

Literaturfestivals in Österreich

Während die Literaturszene noch auf der Leipziger Buchmesse weilt, ist Wien schon startklar für die...