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Fritz Widhalm: :huch.

Klagenfurt, Wien: Ritter, 1998.
96 S., brosch.;
ISBN 3-85415-234-5.

Link zur Leseprobe

Ein "Huch!" mag wohl so mancher unschuldige Leser angesichts eines Blickes in den neuen Band von Fritz Widhalm überrascht-angetan oder überrascht-schockiert nicht unterdrücken: beginnt er von hinten zu blättern, werden die ironisch pornographischen Collagen sein Augenmerk erregen; von vorne betrachtet, irritiert das Buch sofort durch sein eigenwilliges Absatzformat mit Doppelpunkt-Interpunktion und durch eine allem Anschein nach Hauptfigur des unsäglichen Namens "haeri", der allein schon nähere Betrachtung verdiente, assoziiert er ja nicht nur den angloamerikanischen "Harry", sondern durch die Verfremdung gleichzeitig einen kleinen, verkleinerten, verniedlichten oder aber klein gehaltenen "Herren", also einerseits Mann, andererseits Mächtigen.

Die Suche nach dem dazugehörigen Knecht, Sklaven oder Diener drängt sich auch aufgrund des Titelbildes auf: Hier wird ein "haeri" von seiner Dame oder Herrin gerade tüchtig übers Knie gelegt, und tatsächlich, auch im Text wird spätestens auf Seite 76 klar, wie die Rolle von "rita" im lustvollen Versohlen und Versohltwerden besetzt ist.

Was im Titel zudem anklingt, ist der Comic und die reale oder klischierte Comic-Sprache. Und so finden sich auch im Text schon auf den ersten Blick eine stattliche Anzahl von Klassikern wie "schmatz", "stoehn", "aechz", von gewagterem "schwupp", "quietschquietsch" und "schrubbelrubbel rubbelschrubbel", aber auch ":blabla blabla" in beispiellosen Komposita wie "blablahaarscharf" oder "zu blablaplazieren".

Doch nicht nur in den Komposita, auch in Wort- und Silbenwiederholungen treibt Widhalm seine wilden Spiele mit der Sprache: "popopsch", "popschpopsch", "popopopsch" und "popschpopschkugel" lassen mit dem Hintern und dem lautmalerischen Klatschen auch immer genügend "Pop" und damit im weiteren Sinne ("Popkultur") das Nichtetablierte, Trash und Underground ("irgendwas ist bei einem halbwegs anerkannten verlag nicht ganz in ordnung", S. 23) und somit den Mikrokosmos des "Fröhlichen Wohnzimmers" anklingen.

"nervoeszwischendenfingernderlinkenhandzigaretten", "zurueckindieschachteltexte" und Flirt-Signale wie den "etwaslaengerenalsdienormalenblick" baut der Autor gekonnt in seinen Text um Alltag, Krankheit, Sexualität - und nicht zuletzt um Literatur. Das Kapitel "die elektrische olympia" (S. 20ff.) schildert die Ambitionen und Obsessionen von "haeri" zu schreiben, professionell zu schreiben, Autor zu werden oder zu sein. Auf Zeugnisformularen, die er auf der Uni einsammelt, finden seine literarischen Versuche statt, doch diese Formulare scheinen "haeri" nicht eben zu beflügeln. Skeptisch, selbstkritisch und grüblerisch verwirft der angehende Autor seine Produkte zumeist gleich wieder und bekommt Zustände, sodaß sich die Sorge um die Anschläge pro Minute im Nu verkehrt in weit elementarere Sorgen um Pulsschläge pro Minute.

"haeri" ist ein Stadtneurotiker, der nicht ungern in "ritas" Nachthemd in öffentlichen Pissoirs masturbiert und versucht, dem Unterschied oder dem Wechselspiel von "Huch" und "Buch" auf die Spur zu kommen. Doch dies ist auch mit Hilfe "marshallmcluhans", der in dieser Schreibweise wie ein Marshmallow daherkommt und eher die Massage als die Message im Kopf hat, nicht so einfach.

Der Band ist in neun Kapitel gegliedert, wobei das letzte - "die ueberschuessige magensaeure (wdh.)" - das erste auf "Und ewig grüßt das Murmeltier"-hafte Weise aufgreift. Vorangestellt sind dem Text zwei, nachgestellt eine lexikalische Eintragung aus einem Fünfziger-Jahre-Brockhaus - es handelt sich um die Begriffe "Zwang", "Hypochondrie" und "Traum". Und obwohl im Text sehr oft ein leises Summen zu hören ist, und obwohl im Text sehr oft gegähnt und entschlummert (":schnarchschnarch") wird, und obwohl im Text sehr oft selbst Valium genommen wird, lassen einen Widhalm, "haeri" und "rita" nicht schlapp, sondern im Gegenteil sehr angeregt zurück.

Petra Nachbaur
15. März 1999

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