logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   
Facebook Literaturhaus Wien Instagram Literaturhaus Wien

FÖRDERGEBER

Bundeskanzleramt

Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Leseprobe: Walter Wippersberg - "Die Irren und die Mörder."

Den Nazis nahm er vor allem übel, daß sie das Nachdenken über andere als demokratische Staatsformen für ein halbes Jahrhundert ebenso desavouiert hätten wie das uneingeschränkte Bekenntnis zur eigenen Nation, zum eigenen Volk.
Wegner war, darüber hatte er Martha nie im Zweifel gelassen, ein Nationalist, zwar nicht im alten Sinn, aber er bekannte sich zu dieser Bezeichnung und verwahrte sich dagegen, deshalb zum Hasser anderer Nationen gestempelt zu werden. Nicht um die Aufwertung der eigenen und die Abwertung einer anderen Nation gehe es ihm, für ihn bedingte eins das andere keineswegs, er plädierte nur dafür, daß jede Nation sich ungestört von der anderen entwickle, weil sie nur auf diese Art ganz sie selbst werden, ganz zu sich selbst kommen, sich völlig zu ihrer je eigenen Größe entwickeln könne. (S. 37)

"Farbe oder Gift?" fragte Doktor Plottecker.
"Dieses eine Mal noch Farbe", sagte Grossmann.
"Und werdet ihr im Fall des Falles zurückschrecken vor Gift?"
"Was mich angeht, ganz bestimmt nicht, ein Fünfliter-Benzinkanister steht in meiner Garage bereit, halbvoll mit einem Zeug, das auch für zehntausende Leute ausreicht", sagte Grossmann. Für die anderen beiden in seiner Gruppe könnte er sich nicht verbürgen, aber er rechne zuversichtlich damit, daß sie, zu gegebener Zeit, "wenn die Stunde der Wahrheit gekommen ist", über allenfalls zu erwartende Anfälle von Humanitätsduselei hinwegkämen.
Das steckt, man möchte es gar nicht glauben, tief auch in meinen Leuten drin", sagte Doktor Plottecker, "wir diskutieren gerade die Möglichkeit eines Bombenanschlags in einer U-Bahn-Station, man könnte eine Bombe nach bewährtem französischen Beispiel in einen Mistkübel stecken, aber bei meinen Leuten zeigt sich, auch wenn sie's abstreiten, doch immer wieder eine gewisse Scheu vor möglichen Todesopfern, die wir in diesem Fall natürlich einkalkulieren müssen und ohne die das alles ja gar keinen wirklichen Sinn ergibt."
"Eigentlich auch keinen Spaß macht", sagte Grossmann.
Schon lange, bevor Grossmann Doktor Plottecker für die Organisation geworben und zur Gründung einer eigenen Dreiergruppe angeregt hatte, hatten sie oft gerade darüber geredet: Die Überschätzung des menschlichen Lebens an sich.
Sie waren sich darin einig, daß es objektivierbare Kriterien für den Wert eines Lebens geben müsse, die bloße Existenz eines Menschen könne jedenfalls noch nicht bedeuten, sein Leben unter allen Umständen zu erhalten.
Sie hatten anfangs sehr vorsichtig geredet, in einem Ton zunächst, der es ihnen erlaubt hätte, eine Aussage im nächsten Satz als etwas rüden, vielleicht geschmacklosen Scherz hinzustellen, dann waren sie immer zielsicherer im Abklopfen des anderen geworden. (S. 101f.)

(c) 1998, Otto Müller, Salzburg, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Franziska Füchsl Tagwan (Ritter, 2020)
Christoph Szalay RÆNDERN (Ritter, 2020)

Mi, 23.09.2020, 19.00 Uhr Neuerscheinungen Frühjahr 2020 | Buchpräsentationen Diese Veranstaltung...

Ausstellung

Tipp
flugschrift Nr. 31 QUEEN OF THE BIOMACHT von Sophie Reyer

Auf der neuen flugschrift www.flugschrift.at/ der Autorin und Komponistin Sophie Reyer treffen sich...

cfp-Einreichfrist: 31. Juli 2020

Nachwuchswissenschaftler /innen sind eingeladen, ihr Dissertationsprojekt im Rahmen einer...