logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

O. P. Zier: Himmelfahrt.

Roman.
Salzburg: Otto Müller, 1998.
352 S., geb.; öS 298.-.
ISNB 3-7013-0972-8.

Link zur Leseprobe

So etwas wie eine Satire über den Umgang mit Provinz habe ihm vorgeschwebt, erklärt O. P. Zier in einem Gespräch mit den "Salzburger Nachrichten", die in seinem bislang zweiten Roman "Himmelfahrt" allerdings gar nicht gut wegkommen. Salzburg ist porträtiert als ein Hort der Kleinlichkeit, als Heimat verbeamteter Künstler, domestiziert und beherrscht von einem philisterhaft-selbstherrlichen Hofrat - und die lokalen Zeitungen geben ihren Brauchtumskitsch dazu und tun alles zur Absicherung dieses verheerenden Status quo. Keiner, der in diesem Roman nicht sein Fett abbekäme, keine Übertreibung, die nicht noch weiter auf die Spitze getrieben würde.

Was den über 350-Seiten schweren Roman dann aber doch über die vertraute Jammer- und Anklageprosa in epigonenhafter bernhardscher Manier hinaushebt, ist einerseits seine kunstvolle Gestaltung, durch die sich das Buch gleichsam selbst mitreflektiert und -ironisiert, und das ist andererseits die Vielzahl der zusätzlich eingeflochtenen Themen. Neben der boshaften Anklage steht die liebevolle Beschreibung einer Jugend auf dem Land. Werner Burger, die Hauptfigur, ein Schriftsteller, der sich mit journalistischen Auftragsarbeiten und Ghostwriter-Jobs über Wasser hält (immerhin schreibt bereits ein Germanist eine Arbeit über ihn), erinnert sich an seine Abenteuer mit Alex, einem, der es schon immer verstanden hat zu leben. Anders als Burger, der ewige Außenseiter, der sich das Leben schwer macht, sich überall nur Feinde schafft.

Zusätzlich erhalten wir Einblick in drei Beziehungen, alle ein wenig angeknackst, und lesen eine vorangestellte und eine nachgereihte Kurzgeschichte in denen alle Handlungsfäden, alle Figuren und Situationen noch einmal in neuer Konstellation gemischt sind.
"Wie wird Leben zu Kunst, zu Literatur?" lautet die Frage, die Zier wie ein roter Faden durch sein Buch laufen läßt, an ihr fädelt sich "Halbautobiografisches" (S. 21f.) auf, dem man seine realen Wurzeln zwar noch anmerkt, dem aber gleichzeitg längst bunte satirsche Blüten gewachsen sind. Der Autor macht spielerisch und mitunter sehr gewitzt deutlich, wie sich Realität in Fiktion verwandelt, und wie umgekehrt, völlig Übersteigertes, die Wirklichkeit manchmal auf den Punkt bringt. So handelt dieser Roman nicht nur vom Leben in der Provinz, sondern auch vom Prozeß des Schreibens: Wie jemand wirklich Erfahrenes und Fiktion zu Geschichten zusammenschweißt. Bei O. P. Zier sind auch die Nahtstellen noch erkennbar.

Karin Cerny
23. März 1998

 

 

 

 

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Der Brennkolben auf Deutsch – über exophonische Literatur heute

Mo, 18.06.2018, 19.00 Uhr Lesungen & Diskussion Autor/inn/en nicht deutscher Muttersprache,...

Junge Talente beim ÖSV

Mi, 20.06.2018, 19.00 Uhr Lesungen Der Österreichische Schriftsteller/innenverband verjüngt sich!...

Ausstellung
Jung-Wien: Positionen der Rezeption nach 1945

08.05. bis 29.08.2018 Ausstellung | Foyer Jung-Wien war ein Literaturkreis im frühen 20....

ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Tipp
OUT NOW – flugschrift Nr. 23 von Kinga Tóth

Kinga Tóths flugschrift, die den Titel SPRACHBAU trägt, ist vorübergehende Begrenzung einer...

Literaturfestivals in Österreich

Während die Literaturszene noch auf der Leipziger Buchmesse weilt, ist Wien schon startklar für die...