logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Ilse Kilic: Rosa.

Ein Schweinecomix.
Wien: Das Fröhliche Wohnzimmer, 1997.
o. S., m. Abb.; öS 80.-.
ISBN 3-900956-38-3.

Eine Erzählung, in der Tiere sprechen, soviel wissen wir, ist eine Fabel. Doch um welche literarische Gattung handelt es sich, wenn ein Werschwein spricht? Es war einmal ein hübsches Mädchen namens Rosa, das lebte gar glücklich mit Gabi, Gundi, Karli, Klausi und der Katze Murli in einer Wohngemeinschaft. Eines Tages aber geschieht Wunderbares. Rosa entdeckt: auch in ihr ist ein Tier, und das Tier, das ist ein Schwein, und das Schwein klettert nachts in fremde Betten.

Nieder mit der bürgerlichen Sexualmoral, aber was zuviel ist, ist zuviel. Ilse Kilic setzt sich im "Schweinecomix" ROSA ebenso differenziert wie amüsant mit dem Thema individuelles Bedürfnis versus Gemeinschaftinteresse auseinander. Einen leicht bitteren Beigeschmack hat schließlich auch das Happy End. Es gilt, um eine Zeile aus einem anderen Text von Ilse Kilic zu zititeren, die sowohl als Selbstsuggestion, als auch ironisch zu verstehen ist: "Ich bin ganz normal".

Hat die Wohngemeinschaft, und darum geht es wohl in diesem Buch, Rosa nun geholfen, ihre Krankheit, das Tier in ihr, erfolgreich wegzutherapieren, oder repräsentiert sie doch jene, immer außerhalb vermutete, nämlich "die" Gesellschaft, welche, um ihre Mitglieder zu beschützen, allzugroße Abweichungen von ihren Normen auf Dauer nicht dulden kann?

ROSA pflegt über knapp vierzig Seiten eine einigermaßen anarchistische Form der romantischen Ironie, verknüpft Computerzeichnungen mit sprachlichen Versatzstücken aus Märchen, Comic, Science Fiction, Psychologie und Medizin, und skizziert sowohl auf der optischen, als auch auf der sprachlichen Ebene liebevoll-ironische, äußerst treffende Szenarien aus der Standardsituation Wohngemeinschaft. Es wird geliebt, gestritten, geholfen, im Stich gelassen, abgewichen und angepaßt, - alles, wie im richtigen Leben: halb Mensch, halb Tier: das Werschein ist ein Fabelwesen, das für das Tier Mensch, und damit für die eigene Gattung spricht.

Lisa Spalt
16. Juli 1998

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Prosastücke & Essays "GALIZIEN und die Ränder des Ostens"
Regina Hilber | Robert Schindel | Tom Schulz

Di, 27.02.2018, 19.00 Uhr Lesungen & Diskussion auf dem Literaturhaus-SOFA Bereits zum...

alfred goubran | gerhard maurer – WO ICH WOHNE BIST DU NIEMAND. heimat | identität

Fr, 02.03.2018, 19.00 Uhr Ausstellungseröffnung Die Foto-Text-Arbeiten von Alfred Goubran und...

Ausstellung
alfred goubran | gerhard maurer – WO ICH WOHNE BIST DU NIEMAND. heimat | identität

05.03. bis 24.05.2018 Der Autor Alfred Goubran und der Fotograf Gerhard Maurer widmen sich in...

Wendelin Schmidt-Dengler (1942–2008)

16.04. bis 30.05.2017 Wendelin Schmidt-Dengler war nicht nur einer der einflussreichsten...

Tipp
flugschrift Nr. 22 – Paul Divjak

Mit Rebranding flugschrift greift der Autor und Künstler Paul Divjak das Thema von...

Incentives – Austrian Literature in Translation

Türkisch ist die neue Incentives-Sprache neben Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch....