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Axel Karner: Georg Schurl Mörder.

Kriminalgeschichten.
Klagenfurt: Alekto, 1997.
63 S.; brosch.; öS 130.-.
ISBN 3-900743-97-5.

Link zur Leseprobe

Es ist wie beim Besuch des Wiener Kriminalmuseums. Von Saal zu Saal kommen einem die Gewalttaten absurder vor, gleichzeitig grausig in ihrer scheinbaren Alltäglichkeit - und alles so normal. Auch die Textminiaturen des Kärntner Autors Axel Karner fügen sich zu einem solchen paradoxen Reigen von Kriminalgeschichten. Morde - begangen aus den unterschiedlichsten Motiven und mit den verschiedensten Mitteln. Der Tod, vorwiegend der gewaltsame Tod, steht im Mittelpunkt. Karner erzählt die Geschichten mit einer sprachlichen Lakonie, die die Grausamkeit der Taten verstärkt. Denn grausam sind sie alle, sie lassen in die Welt der menschlichen Abgründe hineinblicken, ohne diese immer explizit zu machen. Die psychischen Störungen, die zur Kommunikation unfähigen Menschen, die vor Gefühlskälte abgestumpften Täter. Die Motive sind oft nur in den alltäglichen Katastrophen zu finden. Der Schritt zum Mord scheint dann ein kleiner. Als Ausweg denkbar.

Der Autor schafft es, in kurzen kompakten Sätzen unerträgliche Lebensgeschichten durchscheinen zu lassen. Nicht immer sind alle Taten psychologisch motiviert. Die Tathergänge lassen aber auf die Obsessionen, die dahinter stehen, und auf die Verzweiflung als Grundmotiv schließen. Die Tragik der Episoden wird ins Absurde gewendet, so wenn wir erfahren, daß sich der Jäger mit einer Schlinge der Vereinigten Draht und Alu AG. erhängte (S. 38). Der Autor spielt mit den an unzähligen TV-Krimis geschulten Leseerwartungen. Der Monolog eines potentiellen Täters entpuppt sich als innere Vorbereitung auf den Mord an sich selbst (S. 50). Aus verschiedenen Perspektiven wird erzählt: aus der Sicht des Täters, des Opfers, aus der Ich-Perspektive und der dritten Person. Der Leser wechselt so auch in die verschiedenen Rollen.

Die grafische Aufmachung der Texte - ohne Interpunktion, alles in Großbuchstaben - führt beim Lesen oft zu mehrdeutigen Überschneidungen. Subjekte und Handlungen können sich so verschieben und machen die Kriminalgeschichten mehrfach lesbar. Die trockene Sprache hält Distanz zum Thema: Vielleicht ist nur auf diese Weise eine Annäherung möglich. Zum Schluß ist es doch mehr wie ein Besuch im Gruselkabinett.

Ivette Löcker
16. Juli 1998

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