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Angelika Kaufmann, Sylvia Kummer: 7 : 17.

mit gedichten von sylvia kummer.
Nachwort: Christian Steinbacher.
Linz, Wien: Blattwerk, 1997.
124 S., brosch.; öS 217,80.
ISBN 3-901445-18-8.

Link zur Leseprobe

Ganz besonders außergewöhnliche Blätter enthält eine der Herbstneuerscheinungen 1997 aus dem Blattwerk Verlag mit dem kryptischen Titel " 7 :17". Auf den ersten Blick mit einem mehr Schau- als Lesebuch konfrontiert, geht es dem orientierungsbedürftigen Leser zunächst einmal ähnlich wie in einem der handschriftlichen Notate festgehalten: "auf der suche nach einem system, ich bin / immer auf der suche nach einem system / ohne jedoch jemals fündig zu werden" (S. 8f.). Ganz so erfolglos bleibt die "Recherche du système perdu" anhand der Lektüre jedoch nicht; bald erschließen sich die von schwarzen Tupfen übersäten karierten Einzelblätter mit den verstreuten Notaten zum immer wieder unterbrochenen Protokoll gewisser Perioden von "Zeit".

Die Autorin Angelika Kaufmann ist seit den siebziger Jahren durch ihre Tätigkeit als Illustratorin von nicht nur Kinder faszinierenden Bilderbüchern und dabei insbesonders durch ihre intensive Zusammenarbeit mit Friederike Mayröcker ("Sinclair Sofokles der Baby-Saurier", "Pegas, das Pferd") und Mira Lobe, aber auch Barbara Frischmuth oder Christine Nöstlinger bekannt. Druckgraphik, Objekte und Installationen sind weniger bekannte, doch mindestens so relevante Aspekte ihres Schaffens. Wie Christian Steinbacher, Herausgeber des Blattwerk Verlages, im Nachwort erläutert, hat sich die Künstlerin seit langem mit dem Phänomen Zeit befaßt und dieses in verschiedenen Projekten ausgelotet.

Der Eindruck, den die Eintragung im VLB: "128 S., 48 Abb." macht, ist ein trügerischer, denn die "Abbildungs"seiten machen einen überwiegenden Teil des Bandes aus. Im karierten Schreib- bzw. Rechenheft wird Buch geführt, Zeit gezählt, im Wortsinn (auf)gezeichnet. Zeitpunkte, Zeittupfer sind die graphischen Einheiten.
Allerdings sind die Zeichen kombiniert mit Schriftzeichen - die Künstlerin hält skizzierte Lebensfragmente aus dem Alltag von Hand fest. Dabei sind in den kaum registrierbaren Varianten der fließenden "Schreibschrift", der Handschrift, Spuren von Verschiebungen erkennbar.

Auch sprachlich wird Dauer erfaßt und zum Ausdruck gebracht. Oft ist vom Warten die Rede. Oft arbeitet die Autorin mit repetitiven Elementen: "ich suche ein verlegtes manuskript / ich suche und suche und suche" (S. 94). Die Wetterbeobachtung "regenregenregenregen" (S. 101) faßt sprachlich wie optisch die Monotonie nicht enden wollenden Niederschlags und die daraus resultierende Niedergeschlagenheit, gleichzeitig drängt sich in der Kumulation der Wortwiederholung wie im Vexierbild die Frage nach dem "Genre" dazwischen. Doch so wenig streng wie das Genre, so offen ist auch die künstlerische Praxis. "ich ändere das konzept" (S. 68) teilt die Autorin mit, wenn sie ihr bisheriges Vorgehen abwandelt.

Sylvia Kummers Texte, die anschließen an Kaufmanns Zeitflecken, sind fragmentarisch fragil, spröde. War der "kalauergesang" aus ihrer ersten Publikation "feuersteine ungerieben" (1995) von geradezu überbordender Polyphonie, so wirken die Textsprenkel im Anhang an das Kaufmannsche Tage-, Stunden-, Minutenbuch in ihrer Reduziertheit beinahe wie sehr alte, behutsam rekonstruierte Inschriften. Die Zeit, die in Kaufmanns Aufzeichnungen strukturiert ist und wird, scheint vollends aus den Fugen zu geraten.

"Zeit" wird in " 7 :17" (be)greifbar nicht als stringente Abfolge von Ereignissen, sondern vielmehr als Ansammlung von sehr konkreten Zeitpunkten, die sich schon optisch zur Zeitfläche ausdehnen und mit den versplitterten Eintragungen zum Zeitteppich verwoben werden. So werden Gleichförmigkeit, Regelmäßigkeit, Monotonie im semantischen Ablauf thematisiert und zugleich unterwandert.
Kaufmanns Zeitrechnung und Zeitbrechung bewirken den Effekt einer nicht bleiernen, sondern leiblichen "Zeit".

Ein wesentliches Moment der Kaufmannschen Zeiteinteilung ist das Telefon; erwartete, aufgeschobene, registrierte Telefonate strukturieren und bedingen Tagesabläufe: "ich gehe im zimmer auf und ab - zähle die minuten - jetzt wähle ich die nummer" (S. 71). Das visuelle Ticken der dezenten Chronomanie Angelika Kaufmanns macht klar, daß es anstelle des herkömmlichen "Es wird mit dem Summerton..." genauso gut lauten kann: "Es wird mit dem Pinselstrich..."

Petra Nachbaur
19. Februar 1998

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