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El Awadalla: der zwerg mit den silbernen rippen

roman.
Klagenfurt: Sisyphus Verlag, 2005.
118 S.; brosch.; Eur 14.-.
ISBN 3-901960-28-7.

Link zur Leseprobe

El Awadalla, 1956 in Nickelsdorf im Burgenland geboren, hat einige Sachbücher zu den Themen Sekten, Esoterik und Rechtsextremismus geschrieben. Sie ist unter anderem Vorsitzende der österreichischen Dialektautorinnen. Einer breiten Öffentlichkeit wurde sie unlängst als Millionenshowgewinnerin bekannt. Jetzt hat sie ihren ersten Roman geschrieben.
"Der Zwerg mit den silbernen Rippen" führt den Leser in ein kleines Dorf im Burgenland, nach Martinsdorf, wo die Uhren stehen geblieben sind und sich die Menschen nur schwer an die "neue Zeit" gewöhnen können. "die zeit bleibt nicht stehen, nirgends auf der welt und auch nicht in martinsdorf. (...) nur wer genau hinschaut, glaubt, dass die zeit stehenbleibt, wenn irgendwo ein alter zaun rund um ein altes haus steht. denn stünde die zeit still, wäre das haus neu. kommt einmal eine weile nichts neues aus der welt nach martinsdorf, läuft dort trotzdem alles weiter."

Die wirkliche Handlung wird nur am Rande gestreift; ein Dorfbewohner, der Lehner verschwindet, und das ganze Dorf macht sich auf die Suche nach ihm. Jeder Stein wird umgedreht, man sucht in den Scheunen, den Häusern, im Wald und bald verdächtigt man sich auch gegenseitig. Diese Sequenzen um den "Zwerg mit den silbernen Rippen", wie der Lehner genannt wird, setzt die Autorin aber nur sehr sparsam ein - sie sind nur der äußere rote Faden, der die Handlung zusammenhält.
Es ist eher eine Aneinanderreihung von Anekdoten, die das Leben im Dorf beschreiben. Insofern könnte man den Roman auch durchaus als Heimatroman lesen. Hier im Burgenland ist auch die literarische Heimat der Autorin angesiedelt- nicht umsonst ist sie mit ihren Mundartgedichten bekannt geworden. Auch der jetzige Roman enthält zahlreiche dialektale Einsprengsel. Vom "ausstallieren" , der "bisgurn", der "grantscherm" und dem "tutter" ist da zu lesen.
Einen Erzähler im herkömmlichen Sinne gibt es in diesem Buch nicht, denn El Awadalla läßt das Dorf selbst zu Wort kommen und arrangiert einen vielstimmigen, über allem schwebenden, besserwisserischen Dorftratsch, wie ihn nur eine Einheimische zustandebringen kann.
Die Figuren selbst bekommen in dem Getümmel allerdings wenig Kontur. Vor allem der Ermordete, der Zwerg mit den silbernen Rippen, wird zum Geist, der blaß und farblos nur alle 20 Seiten einmal erscheint.

Im Mittelpunkt steht das Dorf und wie es sich verändert oder nicht verändert. Über 50 Jahre erstreckt sich die Handlung und viel Altes wird getauscht gegen Neues. So verschwinden die Gänse, dafür kommt der Fernseher und die Jugend wandert aus dem verträumten burgenländischen Bullerbü nach Wien aus, um die Welt zu erkunden. Zurück bleiben die Alten, die das alles nur mehr kopfschüttelnd zur Kenntnis nehmen können. "die alten leute auf den bankerln unterm nußbaum zwischen kaseln und milchdisteln verstehen die welt nicht mehr. das alles kommt vom fernsehen und weil die jungen nach wien gehen. wenigstens sind die gesichter gleich geblieben."

Das Buch ist sehr flüssig geschrieben, an die konsequent durchgezogene Kleinschreibung hat man sich schnell gewöhnt. Man wünscht sich weitere Romane der Millionen-Show Gewinnerin.

 

Judith Krieger
3. Mai 2005

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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