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El Awadalla, Traude Korosa (Hrsg.) ...bis sie gehen. 4 Jahre Widerstandslesungen.

Ein Lesebuch.
Wien: Sisyphus Verlag, 2004.
184 S; brosch.; Eur 15,-.
ISBN 3-901960-19-8.

Link zur Leseprobe

Als am 4. Februar 2000 in Österreich die schwarz-blaue Regierung angelobt wird, manifestiert sich in der Bevölkerung ein mannigfaltiger und manifester Widerstand: Jeden Donnerstag ziehen Demonstranten durch Wien, neben dem Bundeskanzleramt wird die Botschaft der besorgten BürgerInnen gegründet und am 24. Februar 2002 findet die erste Widerstandslesung statt, organisiert von El Awadalla und Traude Korosa. Beide haben nun die Anthologie "... bis sie gehen. 4 Jahre Widerstandslesungen" herausgegeben, die an die hundert Texte von Widerstandslesern versammelt.

Mehr als 400 Personen haben bisher Wind und Wetter, Hitze und Kälte getrotzt und vor tausenden Zuhörern lesend, spielend oder musizierend demonstriert - und sie tun es immer noch. Wogegen aber eigentlich? El Awadalla im Vorwort des Lesebuches: "Die Widerstandslesungen richten sich nach wie vor gegen beabsichtigte (und mittlerweile umgesetzte) Zensur- und Disziplinierungsmaßnahmen in allen Bereichen, gegen die restriktive Budgetpolitik, die zu empfindlichen Kürzungen der Gelder für die Kunst, besonders aber für die Literatur führt [...] Beinahe täglich lieferte diese Regierung allerdings weitere Gründe, die uns veranlaßten, die Widerstandslesungen weiterzuführen: Verschärfung der Asylgesetze, empfindliche Kürzungen im Sozial- und Bildungsbereich usw. usw. [...] Über all dem steht natürlich der Protest gegen die Regierungsbeteiligung einer Partei, die sich nie vom Rechtsextremismus distanziert hat und dezidiert ausländerInnenfeindliche und anti-soziale Positionen einnimmt."

Vertreten sind in der Anthologie Autoren wie Manfred Chobot, Ditha Brickwell, Dieter Schrage, Gerhard Ruiss, Erika Danneberg, Werner Rotter, Beppo Beyerl oder Elfriede Haslehner. Auch Texte von mittlerweile verstorbenen Widerstandslesern wie Helmut Zenker, Arthur West, Marietta Omoglu oder Christian Loidl finden sich im Buch.
Die Texte sind unterschiedlicher Machart, manche wurden extra für die Widerstandslesungen geschrieben. Richard Weihs etwa beschreibt die österreichische Metamorphose: "Zuerst: Made in Austria / Dann: Engerling für Europa / Jetzt: Wurm von Welt". Werner Rotter meint in seinem Gedicht "Altausseer Republik": "Diese Regierung beweist / dass man Österreich neu regieren / und dabei alt aussehen kann." Sehr gelungen ist der Text "Fremdenführung" von Ludwig Roman Fleischer. Kritisch und humorvoll erzählt er von einem Reiseführer, der den Touristen auf dem Heldenplatz mehrsprachig erklärt, warum die Schriftsteller eben auf diesem historischen Platz gegen die Regierung protestieren, gegen den Bundeskanzler, der "seit frühester Kindheit eine manische Schimpfneurose" hat, gegen den Finanzminister, der "immer ein umschwärmtes Mädel" sein wollte und gegen die Außenministerin, die "Duplomatentussi mit Lächellähmung".

Einige Autoren lasen aktuelle Zeitungsartikel oder Literatur anderer widerständiger Autoren vor, von Fritz Grünbaum, Rosa Luxemburg oder Hugo Bettauer. Eva Dité stellte ein Programm aus der "Pfeffermühle", Erika Manns Kabarett der 1930er Jahre, zusammen.

Die Frage, ob Literatur politisch sein kann, soll oder muss, ist alt und müßig und wird nicht zu beantworten sein. Wichtiger war den Widerstandslesern, präsent zu sein, den Platz der Literatur zu behaupten, sich nicht verdrängen zu lassen und mit dem Lesen Zeichen zu setzen gegen Intoleranz und Sozialabbau und für ein "menschenwürdigeres" Österreich.

Traude Korosa im Nachwort: "Widerstand heißt stur sein. Widerstand heißt auch: anzuschreiben gegen die Ungerechtigkeiten, gegen Zensur, gegen unsoziale Maßnahmen, gegen die Regierungsbeteiligung der FPÖ. Widerstand kann auch sein, an einem öffentlichen Ort zu lesen, donnerstäglich, hartnäckig, zäh, geduldig, sich nicht vertreiben zu lassen, stur darauf zu beharren, daß genau dieser Platz, der Ballhausplatz, öffentlicher Ort ist, daß es unser Widerstandsrecht ist, genau hier gegen diese Regierung anzulesen."

 

Peter Landerl
23. November 2004

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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