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Bernhard Aichner: Das Nötigste über das Glück.

Roman.
Innsbruck: Skarabaeus Verlag, 2004.
96 S.; geb.; Eur 14,-.
ISBN 3-7082-3152-X.

Link zur Leseprobe

Wer von einem Roman Vielschichtigkeit, epische Breite, erzählerischen Atem, eine Welt, in die man für Stunden, vielleicht gar Tage eintreten kann, erwartet, wird vom neuen Prosa-Bändchen des Tiroler Photographen und Schriftstellers Bernhard Aichner enttäuscht. Der studierte Germanist nennt seinen nicht ganz hundert Seiten langen Text zwar Roman, was hier aber bloß in der umgangssprachlichen Bedeutung von Romanze gemeint sein kann: Uns liegt ein "romantisches Liebesabenteuer, meist schwärmerisch und von kürzerer Dauer" (Brockhaus) vor, von dem hyperbolisch behauptet wird, dass es das "Nötigste über das Glück" enthalte.

Die Story beginnt in einem niederösterreichischen Bahnwärterhaus, wohin sie auch wieder zurückkehrt, nachdem die beiden Protagonisten, ein Tischler namens Hans (nicht wirklich ein Ungeheuer) und die ehemalige Stewardess Elvina, die als Schizophrenie-Patientin in Gugging behandelt wurde, sich auf die Reise nach Spanien machen. On the road Richtung finis terrae erleben die beiden alltägliche Bekanntschaften, die ihnen mit Geld, Nahrung und Verkehrsmitteln behilflich sind. Sie erhalten ein Motorrad mit Beiwagen geschenkt, eine Jacht wird zur Verfügung gestellt, bzw. in Besitz genommen und in einer Tombola ein Fernseher gewonnen. Über die Personen des Kurzromans erfahren wir freilich nicht viel, einige sind aus mehr oder weniger plausiblen Gründen suizidgefährdet, andere geben Gesprächspartner ab.

Was Bernhard Aichner gut kann, ist mit wenigen Worten ein Bild vorzustellen. Irgendwie entsteht der Eindruck eines versprachlichten Bilderalbums, das die Erinnerung an einen Trip in den Süden bewahrt, in der sich zwei Menschen näher kommen, erotische Erfahrungen sammeln und allerhand ausprobieren, was in einem jungen Leben üblich ist. Da werden dann im Bild auch der sonnenverbrannte Hintern vom Nacktbaden und das fahle Gesicht, nachdem die Haschzigarette schlecht vertragen wurde, festgehalten. Das Nötigste halt.

Unbestreitbar, von Aichners Text geht eine gewisse Sogkraft aus. Erreicht durch sprachliche Reduktion, den Verzicht auf lange Sätze und die mit ihnen oft dargestellte Reflexion. Da gibt es zwar Fragen, sie werden aber nicht analysiert, geschweige denn beantwortet. Aktion - keine Reaktion. Als Leserin und Leser herausgefordert: Was ist davon zu halten? Noch besser, lassen wir einfach alles, wie es ist. Es ist, was es ist. Vielleicht meint das auch der Titel des Buches?

Der Verlauf der Beziehung ist linear von einem auktorialen Erzähler präsentiert, wobei dieser zwischendurch in kurzen Rückblenden etwas aus der Vergangenheit der Figuren nachreicht, vermutlich um uns Lesern ihr Verhalten plausibler zu machen. Sonst liegen die beiden fast leitmotivisch zusammen, im gespielten Tod, im Schlaf, in der Ohnmacht ... "Hans im Sand. Sein Kopf hing seitlich herab. Elvina auf Hans. Die Beine übereinander. Haut an Haut. Das Motorrad. Die Sonne schien." Der letzte der durchnummerierten 53 Abschnitte bringt laut Klappentext das "zarte Glück". Es besteht für Hans aus einer Bestellung, die über das Fax kommt, für Elvina darin, dass sie jetzt Bedienungsanleitungen übersetzen darf, und für beide in der Verheißung wackelnder Zehen.

Irritierend die Schlussbemerkung auf der letzten Seite, in der sich der Autor bei einigen Freunden für ihre Geschichten bedankt. Sie hätten damit mit ihm ihr Glück geteilt. Wenn zuletzt das Erzählen das 'Nötigste über das Glück' ist, war Bernhard Aichner ziemlich knauserig.

 

Helmut Sturm
17. November 2004

Originalbeitrag

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