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Thomas Ballhausen: Zerlesen. Raubzüge durch Kulturlandschaften.

Wien: Triton, 2001.
110 S., brosch., m. Abb., öS 240.-.
ISBN 3-85486-090-0.

Vierzehn Raubzüge durch Kulturlandschaften hat der junge Autor Thomas Ballhausen in seinem neuen, im Wiener Triton Verlag erschienenen Buch unternommen. Hat er dabei auch Beute gemacht?
Zuallererst zeichnen sich seine Essays durch fundierte Recherchen aus. Sie sind fest auf Grund verankert, durch Zitate belegt. Das mag dem Spekulativ-Spektakulären den Wind aus den Segeln nehmen, schafft aber Qualität. Überraschend groß das Revier, in dem Ballhausen jagt: Seine Themen reichen von der Rezeption von Martin Amis im deutschen Sprachraum über Hobbes & Snoopy zu David Finchers Thriller "Sieben", vom Cyberpunk zu den Gender Studies. Schließlich leckt er Blut und wagt sich auf die Jagd nach der Figur des Vampirs in der Kulturgeschichte.
Ballhausen scheut sich nicht davor, die sogenannte "Populärkultur" zu analysieren, macht sich auf die Suche nach Transferphänomenen im intermedialen Diskurs und wirft schließlich Fragen nach Bedeutung und Zukunft des Virtuellen in der (neuen) Kunst auf.

In all den Essays wird ein Anliegen deutlich: die Verteidigung der Autonomie der Kunst. Sein Blick ist ein kritischer, aber ein verständnisvoller - der eines Liebhabers, der von, in und durch die Schrift lebt. Ballhausen wagt sich an Tabus, an Unausgesprochenes, verliert dabei aber nie den nötigen Respekt, der einem Gegenstand entgegengebracht werden muß, um ihn begreifen zu können. Er geht nicht - wie viele andere "Kulturkritiker" - den leichten Weg des Zynikers und hebt sich dadurch wohltuend von den gehässigen Lästerern und undifferenzierten Meinungsmachern, die sich vor allem im politischen Tagesgeschäft hervortun, ab. Ballhausens Texte tun gut, weil es ihnen nicht um marktschreierisches Aufsehen geht, weil die Themen nicht per se aktuell sind.

Ich zeichne nicht das Sein, ich zeichne den Übergang. Dieser Satz von Montaigne kann, ohne den direkten Vergleich mit dem übergroßen Vorbild strapazieren zu wollen, auch für Ballhausens Essays gelten. Nicht um die letztgültige Wahrheit geht es, sondern darum, Wege in den Kulturlandschaften zu markieren, da und dort einen Wegweiser zu installieren, eine Orientierungsmarke zu setzen. Das gelingt ihm meistens sehr gut, nur in wenigen Essays gelingt es dem Leser nicht, der Spur durch das unwegsame Gelände zu folgen. Aber wer Beute machen will, muß auch die schwierigen Wege gehen. Ballhausen hat es getan, und das ist ihm und seinen Essays hoch anzurechnen.

Peter Landerl
7. August 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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