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Daniela Bartens; Paul Pechmann (Hrsg.): Dossier Extra: Elfriede Jelinek.

Die internationale Rezeption.
Graz, Wien: Droschl, 1997.
347 S., brosch.; öS 400.-.
ISBN 3-85420-452-3.

Daß Elfriede Jelinek in der Buchreihe über österreichische Autoren im Verlag Droschl als einzige Autorin gleich mit zwei Dossiers vertreten ist, müßte nicht weiter verwundern. Beinahe gleichzeitig mit der Wiederauflage dieses Jelinek-Dossiers wurde die Autorin in Darmstadt mit einer der wichtigsten deutschsprachigen Literaturauszeichnungen geehrt, dem Georg-Büchner-Preis. Und wohl kaum ein Schriftsteller oder eine Schriftstellerin kann auf einen dermaßen hohen Output verweisen wie Elfriede Jelinek. Seit dem Dossier 2, das 1991 erschienen dem Werk der Autorin gewidmet war, sind zwei ihrer wichtigsten Theaterarbeiten "Stecken, Stab und Stangl" und "Ein Sportstück" hinzugekommen, sowie der 666 Seiten-Roman "Die Kinder der Toten". Die Erwartung liegt nahe, das neue Dossier setze dort an, wo das alte aufhörte: Forschung zum jüngsten Werk Jelineks.

Eine Erwartung mit der man falsch liegt. Hervorgegangen aus einem Symposion ("Elfriede Jelinek: Echos und Masken") im Rahmen des steirischen herbestes 1996, macht es sich dieser Band zur Aufgabe, die internationale Jelinek-Rezeption aufzurollen. Umrahmt werden die Länderabrisse (Italien, Spanien, Frankreich, Niederlande und Flandern, Großbritannien und USA) von zwei Gesprächen mit der Autorin (eines per e-mail).
Die zum Großteil aus Symposionsbeiträgen hervorgegangenen Aufsätze umkreisen vor allem folgende Themen: Falsche Erwartungen - wie wurde und wie wird die Aufnahme des Werkes von Elfriede Jelinek durch Erwartungshaltungen beeinflußt und in eine bestimmte Richtung gelenkt; auf welche Schwierigkeiten und Herausforderungen stoßen Übersetzer und Übersetzerinnen bei ihrer Arbeit am hochkomplexen Sprachwerk Jelineks; und wieweit beeinflußt ein bestimmtes Bild der Autorin oder eine Vorstellung von Österreich die Rezeption im Ausland.
Die Fragestellungen erweisen sich als äußerst ergiebig, so zeigt sich etwa im Fall von Italien, wie ein gerade vorherrschender Literaturtrend Werke vereinnahmt. Jelineks Roman "Lust", der auch im deutschsprachigen Raum völlig falsch als Frauenporno etikettiert wurde, erhielt in Italien das Prädikat "erotische Frauenliteratur", eine Literaturnische, die sich zu dieser Zeit gerade besonderer Beliebtheit erfreute.

Die an der Berliner FU lehrende Marlies Janz, eine Jelinek-Forscherin der ersten Stunde, führt in ihrem Beitrag jene Gedanken weiter, die sie bereits in ihrer umfangreichen Werkinterpretation (erschienen in der Sammlung Metzler) dargelegt hat: Jelineks Mythen-Dekonstruktion, angeregt durch Roland Barthes Essay über Trivialmythen. Mehr noch als früher streicht Janz die Bedeutung von Faschismuskritik im Werk Jelineks heraus. Von der Autorin selbst ist der Theatertheorietext "Sinn egal. Körper zwecklos", der auch der Paperback-Stückeausgabe des Rowohlt-Verlags vorangestellt ist.

Einen weiteren interessanten Aspekt steuert die Komponistin Olga Neuwirth bei: Wie gehen Künstler mit der Herausforderung um, die Jelineks Sprachwerk an sie stellt. Eine Frage, von der man sich wünscht, daß sie vor allem im Bereich Theater, in einem weiteren Band vertieft wird. Als einzige zeitgenössische Autorin ist Jelinek in Laufe der letzten Jahre zum Stammgast geworden beim renommierten Berliner Theatertreffen. Nach jahrelangen Mißerfolgen kann Jelinek heute auf kongeniale Interpreten zählen.

Abgerundet wird das Dossier durch einen gewohnt polemischen Beitrag der Schriftstellerkollegin Marlene Streeruwitz und durch eine umfangreiche internationale Bibliografie. Mehr als man erwarten durfte.

Karin Cerny
1. Juli 1998

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