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Margit Böck: Leseförderung als Kommunikationspolitik.

Zum Mediennutzungs- und Leseverhalten sowie zur Situation der Bibliotheken in Österreich.
Wien: Österreichischer Kunst- und Kulturverlag, 1998.
(Neue Aspekte in Kultur- und Kommunikationswissenschaft. 14).
501 S., brosch.; öS 530.-.
ISBN 3-85437-171-3.

Margit Böcks empirisch gestützte Arbeit bietet insgesamt einen ausgezeichneten und allseits zu empfehlenden Überblick über die Situation des Lesens und der Leser in Österreich. Das Buch ist die beste Studie zum Thema, ist in vielerlei Hinsicht für alle, die in ihrem Beruf mit Buchvermittlung und Leseförderung zu tun haben, eine unumgängliche, in vielerlei Hinsicht überlegenswerte Grundlagenarbeit. Der Titel "Leseförderung als Kommunikationspolitik" kommt eigentlich eng gefaßt vor im Vergleich zum weiten Horizont, der sich im Themenspektrum des Buches auftut: Mediennutzung, Lesekompetenz, Schreiben und Lesen (in Freizeit und Beruf), Lesebezugsquellen und Lesegewohnheiten, Freizeitaktivitäten und Medien- und Leseverhalten, Geschlechtsunterschiede in der Mediennutzung.

Diejenigen, die sich schon bisher mit der Leseforschung in Österreich befaßt haben, werden sich über so manche Ergebnisse der Untersuchung nicht wundern. Bewunderswert allerdings, wie differenziert Böck argumentiert, wie sie den einzelnen Themenkomplexen neue Facetten abringt. Das Buch versucht so nüchtern wie möglich zu sein, es verbietet sich jede Aufregung. Es scheut sich, in den Chor derjenigen einzustimmen, die das Abendland untergehen und ein Heer von Analphabeten aufmarschieren sehen. Umgekehrt verkündigt Böck auch keine Frohbotschaft, daß "alles in Ordnung sei" und eine kontinuierliche Aufwärtsentwicklung zu beobachten wäre. Ihre Botschaft: Vieles ist in Veränderung begriffen. Die Lesekompetenz steigt, die Tageszeitungen können ihre Anteile halten, die Zeitschriften haben zugelegt. Die Bedeutung des Buches sinkt, wobei sich eine Polarisierungstendenz ergibt: Die Vielleser von einst lesen auch heute noch viel, während die Leselust der Wenigleser gesunken ist. Computernutzer sind - für manche eine Überraschung - Bücherleser. Das selbstzweckhafte Lesen verliert an Bedeutung. Böck bestätigt alle bisherigen Untersuchungen in der Top-Plazierung der LeserInnen: Sie sind eine aktive, engagierte, vielseitig interessierte Peergroup, die auch die Neuen Medien überdurchschnittlich nutzt.

Böck baut ihr Buch auf einer Befragung von 2000 ÖsterreicherInnen auf und setzt damit eine Untersuchung aus dem Jahr 1987 fort, die Angela Fritz ebenfalls am Wiener Institut für Publizistik angestellt hat. Dadurch können Daten über einen längeren Zeitraum verglichen und die Folgenwirkungen des Medienwandels studiert werden. Personalcomputer und Internet haben das Leseverhalten verändert. Erstmals wird in einer wissenschaftlichen Untersuchung die Rolle der Bibliotheken beim Bucherwerb und ihr Beitrag zum Leseförderung in Österreich untersucht.

Alfred Pfoser
23. April 1999

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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