logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Günther Anders: Übertreibungen in Richtung Wahrheit.

Stenogramme, Glossen, Aphorismen.
Hg. u. mit einem Vorwort v. Ludger Lütkehaus.
München: Verlag C.H. Beck, 2002.
184 S., brosch., EUR 9.90 (D).
ISBN 3-406-47612-0.

Link zur Leseprobe

Anders' Eltern, die bekannten Psychologen Clara und William Stern haben ihre Kinder als Studienobjekte für zahlreiche wissenschaftliche Publikationen benützt, was die Theorie entstehen ließ, dass der Junge sich von dieser wissenschaftlichen Instrumentalisierung und vom Vaternamen emanzipieren musste und so den Namen Anders gewählt hat. Am 12. Juli wäre der vor zehn Jahren verstorbene Günther Anders hundert Jahre alt geworden. Fast fünfzig Jahre lebte der aus dem amerikanischen Exil nach Europa zurückgekehrte Schriftsteller in Wien, wo man ihn im Frühsommer mit einem Symposium und verschiedenen Veranstaltungen ehrt.

Für viele ist Günther Anders als "Atomphilosoph" in Erinnerung, der mit dem ersten Band seiner kritischen Auseinandersetzung mit der Technik ,"Die Antiquiertheit des Menschen", und seinem "Briefwechsel mit dem Hiroshima-Piloten Claude Eatherly" die internationale Anti-Atombewegung verstärkte. Auch sein "prometheisches Gefälle", das die Kluft zwischen dem, was Menschen herstellen und anstellen, und dem, was sie vorstellen und mitfühlen können, meint, ist heute weit diskutiert. Ludger Lütkehaus, neben Konrad Paul Liessmann der bekannteste Anders-Spezialist, hat ein Lesebuch vorgelegt, das Günther Anders als einen sehr vielschichtigen Philosophen zeigt, der nicht nur bereits in den dreißiger Jahren die Sartresche Position, wonach wir zur Freiheit verurteilt sein sollen, vorweggenommen hat, sondern auch Wegbereiter für Fragen nach dem Verhältnis von Zentrum - Peripherie und für die Frage nach der Identität des Menschen in einer multimedialen, hochtechnisierten und von Maschinen bestimmten Welt war.

Anders Blick ist verstörend nüchtern, es bleibt nichts mehr, woran wir uns festhalten könnten, die Aussichten sind nicht gerade hoffnungsvoll und dennoch plädiert er für "eine 'schizophrene' Haltung, nach der wir trotz des drohenden Weltverlustes und der Erkenntnis unserer Unfähigkeit, diesen aufzuhalten, für den Erhalt der Welt kämpfen sollen" (Elke Schubert). Überhaupt ist das Paradoxe eine Anders'sche Spezialität. Lütkehaus sieht in ihm den "freimütigen Nihilisten in Personalunion mit dem praktischen Antinihilisten". Ein Beispiel: "Treue. Was wir gewöhnlich so nennen, läuft fast immer auf Bequemlichkeit heraus. Es gibt nur weniges, was so schwerer erlernbar wäre wie die Treuelosigkeit. Am schwersten zu erlernen ist es aber, der Treulosigkeit treu zu bleiben."

Anders war kein akademischer Philosoph, einen Lehrstuhl in Halle hat er ebenso abgelehnt wie die Ehrendoktorwürde in Wien. Er war überhaupt nicht nur Philosoph. Er war Kultur-, Literatur- und Kunstkritiker, Musikphilosoph, Aphoristiker und begabter Erzähler. Die Anthologie "Übertreibungen in Richtung Wahrheit" macht diese Vielfalt gut deutlich. Im Vorwort wird das Ziel als ein doppeltes genannt: "alte Anders-Leser zu erinnern, neue zu gewinnen". Das erste erreicht die Sammlung bestimmt, das zweite ist ihr zu wünschen.

 

Helmut Sturm
2. Juni 2002

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
PODIUM-Themenheft "Heldenreise" – Thomas Ballhausen | Patricia Brooks | Ilse Kilic | Carsten Schmidt

Mi, 24.04.2019, 19.00 Uhr Zeitschriftenpräsentation mit Lesungen Helden reisen und kehren...

Literaturhaus-Textwerkstatt

Do, 25.04.2019, 18.00-21.00 Uhr Uhr Schreibwerkstatt für Autor/inn/en von 18 bis 26 Jahren Die...

Ausstellung
Hommage an Jakov Lind (1927-2007)

01.04. bis 25.04.2019 Der Autor, Maler und Filmemacher Jakov Lind, 1927 als Sohn jüdischer Eltern...

Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

Tipp
Soeben erschienen – die flugschrift Nr. 26 von Thomas Havlik

Thomas Havliks poetisches Tun ist an den Grenzen von Sprache angesiedelt, dort, wo Sprache...

ZETTEL, ZITAT, DING – GESELLSCHAFT IM KASTEN

Noch bis 23. Mai ist Margret Kreidls Zitatkasten-Kunstwerk im Literaturhaus zu sehen....