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Phillip Drummond: Zwölf Uhr mittags.

Mythos und Geschichte eines Filmklassikers.
(Filmbibliothek).
Hamburg, Wien: Europa, 2000.
125 S., brosch.; öS 135.-.
ISBN 3-203-84104-5.

Daß "Zwölf Uhr mittags", der Welterfolg des 1907 in Wien geborenen Regisseurs Fred Zinnemann, zu den Filmklassikern zählt, ist unbestritten - was ihn dazu macht, ist jetzt in einem "Buch zum Film" der besonderen Art nachzulesen. Der britische Filmwissenschaftler Phillip Drummond liefert auf knapp 130 Seiten eine Fülle von Bildmaterial, Informationen und Details zu Entstehung, Wirkung und Aussagepotential des Films. Entstanden ist eine gelungene Mischung aus Klatsch und Tratsch vom Film-Set, Hintergrundinformationen, filmischer Analyse und auch zeithistorischer Einbettung.
Schon der Filmplot selbst (nach einer Novelle von John W. Cunningham) stellt ja eine Art gesellschaftspolitischen Kommentar zur "Lage der Nation" Anfang der 50er Jahre dar: Ein Mann tritt für das Recht ein und stößt bei seiner immer verzweifelteren Suche nach Hilfe und Unterstützung nur auf Ablehnung, Zynismus und Ignoranz - die Bürger von Hadleyville ziehen es vor, sich mit dem Unrecht (in Gestalt der klassischen Banditen-Brüder des Westerns) zu arrangieren.

Produziert wurde der Film 1951/52 in einer Zeit einschneidender Umstrukturierungesprozesse in der amerikanischen Filmindustrie. Stanley Kramer war einer der wichtigsten Produzenten, die in dieser Umbruchssituation unabhängige Filmstudios betrieben. Auch die politischen Umstände der Zeit - das Unwesen des Ausschusses für die Untersuchung unamerikanischer Umtriebe - haben sich in die Produktion des Filmes eingeschrieben: Drehbuchautor und Co-Produzent Carl Foreman wurde mitten in der Produktion vor den Ausschuß zitiert. Wer sich daraufhin von ihm distanzierte, war Stanley Kramer, der ihn als Co-Produzenten kurzerhand aus dem Vorspann strich; wer zu Foreman hielt, waren Fred Zinnemann und Gary Cooper, weshalb der Film fertiggestellt werden konnte. Nach einer massiven Kampagne gegen ihn - organisiert von John Wayne und Hedda Hopper - emigrierte Foreman nach England; als er 1975 in die USA zurückkehrte, gründete er eine Produktionsfirma, der er mit bitterem Unterton den Namen "High Noon" gab. Der Film hatte mittlerweile seine Karriere gemacht, auch ökonomisch natürlich - die Kosten des relativen Low-Budget-Projektes (794.000 Dollar) hatte der Film schon innerhalb der ersten achtzehn Wochen (Ertrag 2,5 Millionen Dollar) mühelos eingespielt.

Drummond gliedert sein Filmporträt sehr leserfreundlich in kleine Kapiteleinheiten, wodurch es für die Fans der verschiedenen Filmkomponenten leicht wird, gleich zum Mittelpunkt ihres jeweiligen Interesses vorzustoßen. Für wen es primär um Gary Cooper geht, der kann im Kapitel über die Akteure der Produktion nachlesen, daß der Star bei Drehbeginn gerade eine Magenoperation überstanden hatte und es ihm nicht schwer fiel, den im Verlauf des Films geforderten müden Gesichtsaudruck darzustellen. Grace-Kelley-Verehrer erfahren, wie es ihr auf ihrem ersten Film-Set erging und wie die anderen sie dabei wahrnahmen. Wer bei "High Noon" zuerst und vor allem an den Titelsong "Do not forsake me" (von Dimitri Tiomkin) denkt, wird ebenso mit Information beliefert wie all jene, die als Westernkenner das Spiel mit Klischees und Traditionsbrüchen im Auge haben, das hier kunstvoll inszeniert wird.

Besonders faszinierend ist die Analyse der Bild- und Symbolstruktur des Films: die dramaturgische Funktion von Gary Coopers einsamen Gängen durch die menschenleere Straße, die für das Genre unüblichen Geschlechterformationen, die Inszenierung der Blicke in den Gruppenszenen und natürlich die allgegenwärtige Uhr, die es in der späteren Filmgeschichte zu besonders vielen Zitaten gebracht hat.
Übrigens: Es empfiehlt sich, bei der nächsten Gelegenheit diese scheinbar unaufhaltsam auf "High Noon" zuschreitenden Uhren etwas genauer im Auge zu behalten, denn mit der vorgetäuschten Echt-Zeit-Struktur des Films hat es nicht immer seine Richtigkeit.

Evelyne Polt-Heinzl
17. August 2000

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