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Roland Duhamel: Dichter im Spiegel. Über Metaliteratur.

Würzburg: Königshausen & Neumann, 2001.
72 S., brosch., DM 24.-.
ISBN 3-8260-2086-3.

Was der verheißungsvolle Titel dieses schmalen Bändchens meint, ist aus der Einleitung zu erfahren. Es geht um Reflexionen über die Rolle des Autors, die Aufgaben, Möglichkeiten und Grenzen von Literatur, wie sie sich in literarischen Werken eingelagert finden. Diese Art von Metaliteratur, verstanden als Literatur über Literatur, also ohne Berücksichtigung von essayistischen, autobiografischen oder theoretischen Stellungnahmen von Schriftstellern zu ihrem Metier, bildet für Duhamel eine Art "Anfang der Literaturwissenschaft durch die Literatur selbst" (S. 7). Die Absichtserklärung, die Thematik an repräsentativen Werken abzuhandeln, wird in der Folge allerdings nicht ganz eingelöst. Über weite Strecken gerät der Text zum bloßen Namedroping. Man sieht förmlich den üppigen Zettelkasten bzw. wohl die ständig wachsende Datenbank des Autors, der versucht, einfach alles unterzubringen, was er zu diesem, ihn lange Jahre beschäftigenden Thema je vermerkt hat. Entsprechend umfangreich ist das sorgfältige Namenregister im Anhang, eine stringente, diskursive Strukturierung des Themas wird so jedoch trotz der sorgfältig durchnummerierten Kapiteleinteilung nicht wirklich sichtbar.

Das heißt nicht, daß dem Bändchen nicht viel Informatives zu entnehmen wäre. Das beginnt bei der Romantik, dem historischen Beginn des Parforce-Rittes durch die sog. "Metaliteratur", wo die Darstellung am dichtesten gelingt. "Nie hatte die Poesie eine höhere Meinung von sich als um 1800", und dennoch tauchen parallel dazu die ersten Zweifel an der Dignität von Poesie und Poeten auf, werden ganze Romane als Polemik gegen den Kult am Dichter geschrieben. Bei Jean Paul siegt imagemäßig bereits die Musik über die Literatur, und seine Dichterfiguren geraten nicht selten einigermaßen dubios. Besonders übel kommt häufig das Theater weg, dem besonders charakterschädigende Wirkungen zugeschrieben werden, was auch in Goethes "Wihelm Meister" nachzulesen ist. Ein Wiederaufleben erfährt die romantische Poesieverherrlichung in der neuen Romantik-Wellte der Jahrhundertwende mit Rainer Maria Rilke als Gewährsmann.
Unter dem pejorativen Überschrift "Linguistischer Nihilismus" - es gibt auch Kapitel zum "Literarischen" und "Philosophischen Nihilismus" - handelt Duhamel die sprachskeptischen Tendenzen der Moderne ab, wobei die Auswahl der Beispiele hier besonders wenig überzeugen kann. Nach Hermann Hesse, Hermann Kant und Ulrich Plenzdorf wird Uwe Johnsons "Das dritte Buch über Achim" als "das Hauptwerk der sprachkritischen Metaliteratur" vorgestellt. Der Ansatzpunkt, nach 1945 eine Romantradition herauszuarbeiten, "die vom Nichtzustandekommen eines Buches erzählt" (S. 26), ist interessant, wird aber in der reihenden Aufzählung nicht wirklich ausgeführt. Ähnlich die Darstellung bzw. Auflistung der Dichterschelten der Moderne: sie reichen von Robert Walser (er nennt die Schriftsteller "Windbeutel") und Arthur Schnitzler bis zu Peter Handke oder Thomas Bernhard und auch Hanns Johst, Johannes Freumbichler oder Gabriele Wohmann finden Berücksichtigung. Zeitlich sind auch noch Werke der allerjüngsten Vergangenheit eingearbeitet, Paulus Hochgatterers "Über die Chirurgie" oder Peter Handkes "Mein Jahr in der Niemandsbucht" ebenso wie Peter Henischs Kafka-Roman und Peter Turrinis Nestroy-Novelle von 1998.

Das Buch ist die "Bearbeitung und Erweiterung" eines Aufsatzes, erschienen 1999 unter dem Titel "Duitse Literatur", heißt es in einer vorangestellten Notiz. Das erklärt die Häufung von Wort- und leider auch Sinnfehlern im Text. Können Lapsi wie die "Brechtse" Lyrik, die eine Fülle von Ratschlägen "enthällt" oder eine "kursfristige" Chimäre noch mit einem Schmunzeln übergangen werden, sind im Text auch absolut unverständliche Sätze stehengeblieben, die sich aus einer zu wörtlichen Übersetzung aus der Originalsprache des Aufsatzes herschreiben mögen. Alles in allem scheint diese Publikation von Seiten des Autors wie des Verlages etwas übereilt von statten gegangen zu sein. Und das ist schade, denn das Thema wäre interessant, und der Verlag hat einen sehr guten Ruf als Wissenschaftsverlag zu verteidigen.

 

Evelyne Polt-Heinzl
30. Juli 2001

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