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Richard Dove: Journey of no return.

Five German-speaking literary exiles in Britain 1933-45.
London: Libris Ltd., 2000.
GBP 25.-. 300 S.;
ISBN 1-870352-36-x.

"Bitter ist es, das Brot der Fremde zu essen
bittrer noch das Gnadenbrot,
und dem nächsten eine Last zu sein."
(Max Hermann-Neiße, S.190)

Hier geht es um fünf Exilanten, die 1933, 1935 und 1936 nach London kamen: Alfred Kerr, der berühmteste Theaterkritiker in Deutschland, Max Hermann-Neiße und Karl Otten, beide Nichtjuden, der Bestsellerautor Robert Neumann und der weltberühmte Stefan Zweig, beide aus Österreich. Neben Ernst Toller gehörten sie zu den wenigen bekannten Schriftstellern, die in den ersten Jahren des Dritten Reichs in England Asyl suchten. Sie bildeten keineswegs eine Gruppe, kannten sich zum Teil kaum, und wenn, trafen sie sich selten. (S.37)
Es geht dem Verfasser darum, anhand dieser fünf Biographien "a collective paradigm of literary exile in Britain" zu präsentieren. (S.4) Es gelingt ihm überzeugend zu schildern, auf welchen kulturellen Kontext diese fünf in Großbritannien trafen: wenig Verbindung zur deutschsprachigen Kulturwelt, wenige Übersetzungen aus dem Deutschen, wenige gute Übersetzer und ein konservativ-insulares kulturelles Klima (S.41), wo man lieber nach neuen amerikanischen Werken als nach europäischen suchte.

Hermann-Neiße brachte die Situation 1939 auf den Punkt:
"In fremder Sprache schweigt mir jeder Stein
und stürbe ich und würde hier begraben,
die Seele könnte keine Ruhe haben
und fühlte sich in Ewigkeit allein." (S.195)
Zwei Jahre später starb er - und wurde in London begraben. Diese Autoren hatten so gut wie keine Nachwirkungen in England.

Robert Neumanns Situation war eine ungewöhnliche. Er paßte sich mehr an als mancher andere und begann englisch zu schreiben. By the Waters of Babylon brachte ihm 1939 sehr viel Ruhm in England ein, im März bemühte er sich um die Einbürgerung. Bevor es dazu kam, war der Krieg ausgebrochen. Für Neumann bedeutete dies Internierung. Dove wertet feinfühlig Neumanns bisher unveröffentlichtes Internierungstagebuch aus (S.175-184), das ganz anders und viel authentischer ausfiel als seine späteren Memoiren, hier ist von "Verzweiflung", von Symptomen wie "Haftpychose" die Rede. Erstmals in seiner Karriere beschäftigte ihn in England die Frage der jüdischen Identität (S.154), schließlich erfand er sich selbst neu als englischer Autor und schrieb insgesamt sieben Romane auf englisch. (S.260) Er bemühte sich sehr, andere zu retten, arbeitete für die Free Austrian Movement und für das Austrian Centre mit seiner Kleinkunstbühne, dem Laterndl (S.247)

Es überraschte zunächst viele, dass der so frankophile Stefan Zweig sich im Oktober 1933 entschied, nach England zu gehen. Nach kurzer Rückkehr nach Österreich 1934 entschloß er sich, das Land endgültig zu verlassen und im Exil nach schöpferischer und persönlicher Freiheit zu suchen. (S.44) Seine wahre Heimat war und blieb die deutsche Sprache. Trotzdem bemühte er sich 1938 erfolgreich um die britische Einbürgerung. (S.187) Sein Publikum in der Muttersprache fand er nie wieder, dieser Verlust war sicherlich einer der Gründe für seinen Selbstmord in Brasilien. (S.215)

Schade um den Klappentext, den der Autor bestimmt nicht zu verantworten hat! Nicht der dreiundsiebzigjährige Alfred Kerr wurde 1940 interniert, sondern sein neunzehnjähriger Sohn Michael (S.226), und es wird keineswegs im Band detailliert darauf eingegangen.

 

Deborah Vietor-Engländer
11. September 2001

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