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Ernst Frey: Vietnam, mon amour.

Ein Wiener Jude im Dienst von Hô Chi Minh.
Hrsg. v. Doris Sottopietra.
Wien: Czernin Verlag, 2001.
320 S., geb.; öS 289.-.
ISBN 3-7076-0113-7.

Was tun, wenn schon die pure Aneinanderreihung der wichtigsten Stationen eines außergewöhnlichen Lebenslaufes jedes Limit sprengt? Das Leben des Ernst Frey, eines Wiener Juden, den die politischen Wogen des 20. Jahrhunderts um die halbe Welt und retour gespült haben, liest sich wie ein Abriss der Zeitgeschichte: Geboren 1915 im Küss-die-Hand-Reich der Monarchie, wirft er sich bereits als Schüler in den Kampf für linke Belange, erlebt aus dieser Perspektive hautnah den Justizpalastbrand 1927 und die dramatischen Kämpfe von 1934, flüchtet 1938 in die Schweiz, von dort aus nach Frankreich, wird als Fremdenlegionär erst nach Algerien, dann nach Indochina verschifft, wo er zu den vietnamesischen Unabhängigkeitskämpfern des Hô Chi Minh überläuft. Meriten als militärischer Ausbildner und bedingungsloser Einsatz im Abwehrkampf gegen die französische Besatzungsmacht werden mit dem Rang eines Obersten belohnt. Als sich Ernst Frey 1950 auf die langsame Heimkehr nach Europa begibt, ist er erst 35 Jahre alt: Er hat in österreichischen, schweizerischen und japanischen Gefängnissen gesessen, Gefechte, Malaria und einen Selbstmordversuch überlebt und - die Weltgeschichte einigermaßen unorthodox durchquert. Nicht zuletzt hat er seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben: Ein Dokument, das nicht nur als Augenzeugenbericht, sondern auch als Werkstück formbewusster Prosa einen Glücksfall darstellt.

 

Christiane Zintzen
1. Oktober 2001

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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