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Ralph Freedman: Rainer Maria Rilke. Der Meister 1906-1926.

Frankfurt / M., Leipzig: Insel, 2002.
Übers. a. d. Amerikan.: Ebneter, Curdin.
625 S., geb., m. Abb., EUR 34.80.

Die zweite Teil der Rilke-Biografiedes amerikanischen Literaturwissenschaftlers Ralph Freedman beschätigt sich mit den Jahren 1906-1926, mithin den beiden letzten Jahrzehnten des Dichters. "Der Meister" lautet der Untertitel und dieser ist Programm. Das Jahr 1906 bedeutet in Rilkes Leben eine wichtige Zäsur (Trennung von Rodin, Hinwendung zu einer Lyrik à la "Neue Gedichte", erste Arbeiten am "Malte Laurids Brigge"), fortan wird der Schriftsteller Werke vorlegen, deren Reife und Bedeutung allgemein anerkannt wird.

In den zwei Jahrzehnten tut sich freilich soviel, daß hier nur in Auswahl darauf eingegangen werden kann. Schon der Einstieg weckt Interesse: Rilke ist nach der arbeitsreichen Zeit bei Rodin wieder ganz auf seine Dichtung konzentriert, schafft es wieder mal - ein Merkmal seines ganzen Lebens - von den "richtigen Leuten am richtigen Ort" künstlerisch zu profitieren. In diesem Fall ist es Paula Becker, deutsche Malerin und mit Rilke von der gemeinsamen Zeit in der Künstlerkolonie Worpswede bekannt, die ihm einen vertieften Zugang zur Malerei verschafft: Hatte er bei Rodin ein "Gespür" für die Form entwickelt, so beschäftigte er sich jetzt, dank Paulas Vermittlung, mit der Farbe und einem ihrer großen Meister, Cézanne. An seiner eigenen Produktion arbeitet der ehemalige Rodin-Sekretär hart: "Rilke unternahm den konsequenten Versuch, wenn nicht das Subjekt, so doch das offenkundig Subjektive aus seiner Lyrik zu verbannen, dergestalt, daß Subjektivität in die lebendige Matrix des Gegenstands und in das 'Kunstding' selbst eingehen konnte." (S.46) Auch die Prosa macht Fortschritte, langsam entsteht aus unzähligen Bruchstücken der "Malte", "aus den Wanderungen Rainers wurden die Streifzüge Maltes, Selbsterlebtes wurde zur Metapher". (S.78)

Den ihn immer wieder plagenden Sorgen um das Materielle versucht der Dichter mit zunehmendem Erfolg dadurch zu begegnen, daß er sich um wohlhabende Gönner bemüht. Mit einer Mäzenatin wird er einen besonderen Glücksgriff machen: mit Fürstin Marie von Thurn und Taxis, die ihn später in das berühmte Schloß Duino einladen wird, das Rilkes noch viel berühmteren Elegien den Namen geben wird. Auch an amourösen Geschichten sind diese zwei Jahrzehnten in Rilkes Leben reich, wenngleich der Dichter immer mehr die Einsamkeit sucht und längerfristige Bindungen scheut. Beispielhaft dafür ist die Liaison mit Mimi Romanelli, die er in Venedig kennengelernt hatte. Sobald die junge Frau seinen stürmischen Avancen erlag, verlor Rilke das Interesse - fortan mied er zweitweise die Stadt, meinte sogar in einem Brief an die ehemals Angebetete, daß jede Art von Zuneigung, die einen anderen Menschen bindet ein "tödliches Unrecht" sei (S.95).

Doch genug mit den Details, Zeit für ein Resümee: Ralph Freedman gelingt es, die mannigfaltigsten Aspekte der Person und der Dichtung Rilkes in seinem Buch zu vereinen. Ein wenig störend mag so mancher Leser den blumig-erzählenden Zugang des Biografen empfinden - der tut jedoch der Biografie keinen Abbruch. Wenn der Leser auch in der Arbeit des Amerikaners auf keine bahnbrechenden neuen Erkenntnisse stoßen wird, so wird er doch wissenschaftlich kompetent und gleichzeitig einfühlsam durch ein Leben geführt, das eng mit der europäischen Kulturgeschichte verbunden ist. Wem Rilke am Herzen liegt, der sollte sich durch die mehr als tausend Seiten der beiden Bände plagen. Sie sind für die Darstellung eines so ereignisreichen Lebens jedenfalls nicht zu viel.

 

Peter Stuiber
11. September 2002

Originalbeitrag

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