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Etta Federn: Revolutionär auf ihre Art.

Von Angelica Balabanoff bis Madame Roland.
12 Skizzen unkonventioneller Frauen.
Hrsg., Übers. a. d. Span., Anm., Nachw., bibliogr. Anhang: Marianne Kröger.
Vorw.: Ernst Federn.
Gießen: Psychosozial-Verlag, 1997.
133 S., m. Abb., brosch.; DM 28.-.
ISBN 3-930096-84-6.

Sie war die Schwester bedeutender Männer - Paul: Analytiker; Karl: Jurist und Schriftsteller; Walter: Journalist - auf ihre Art: akademisch gebildet, berufstätig, alleinerziehend, feministisch, anarchistisch. Die Schriftstellerin, Übersetzerin und Journalistin Etta Federn (Wien 1883-1951 Paris) hatte sich, bevor sie 1932 unter politischem Druck Deutschland verließ (1933 wurden ihre Werke auf den Index gesetzt) bereits mit dreißig Publikationen einen eigenen Namen gemacht. Sie schrieb Erzählungen, Gedichte und Essays, übersetzte H. C. Andersen, J. P. Jacobsen und Alexandra Kollontai, verfaßte Biografien über Christiane von Goethe und Walther Rathenau.

"Revolutionär auf ihre Art" ist die deutsche Übersetzung von Etta Federns letzter publizierter Schrift, der 1937 in spanischer Sprache erschienenenen Broschüre "Mujeres de las revoluciones" (Frauen der Revolutionen). Sie lebte zu dieser Zeit in Barcelona, wo sie in der 20.000 Mitglieder umfassenden anarchosyndikalistischen Frauenorganisation "Mujeres Libres" als Journalistin, Pädagogin und Schulleiterin arbeitete. "Mujeres de las revoluciones" ist eine historische Anthologie mit zwölf kurzen, eingängig geschriebenen Frauenporträts, zusammengestellt gemäß dem Schulungsprogramm der "Mujeres Libres": vor allem sozial benachteiligte Frauen zu kultureller Bildung und beruflicher Qualifikation anzuregen, ihnen ein Spektrum von Möglichkeiten für selbstbewußte Lebensgestaltung auch jenseits des familiären Mikrokosmos vorzuführen und sie für die libertäre Bewegung zu gewinnen.

Etta Federn hat im Vorwort zu ihrer Frauengeschichte Revolution nicht nur als "Fieber der Völker, an dem die Herrschenden sterben," definiert, sondern als "beschleunigte Entwicklung". So stellt sie Frauen der Französischen Revolution wie Charlotte Corday neben die dänische Schriftstellerin Inga Nalbandian, die ihr Leben in den Dienst des armenischen Unabhängigkeitskampfs gestellt hat; die Anarchistin Emma Goldman präsentiert sie neben der Reformpädagogin Ellen Key, die Frauenrechtlerin Emmeline Pankhurst neben der Tänzerin Isadora Duncan. Jede Biografie dient als Lehrbeispiel, wie Frauen - sie stellt sie oft als Mütter oder mütterliche Frauen dar - in der Geschichte den Mut zu politischer, künstlerischer und gesellschaftlicher Normüberschreitung fanden.

Weitere Texte Etta Federns aus der Zeitschrift "Mujeres Libres" in deutscher Übersetzung bzw. faksimiliert werden in dem Band ebenfalls zum ersten Mal veröffentlicht. Man merkt dieser Ausgabe an, daß sie mit Engagement gemacht wurde. Während offenbar besondere Ansprüche an ein markantes Layout gestellt wurden, kommt man bei den Illustrationen nicht immer auf seine Kosten. Auch wenn der Kontext für sich sprechen mag, die vielen unbekannten Fotos hätten besser mit Legenden versorgt werden können. Dennoch: Wir dürfen in mehrfacher Hinsicht profitieren. Marianne Kröger gibt einer durch nationalsozialistische Verfolgung in die Vergessenheit gedrängten Autorin Präsenz. Es ist ihr gelungen, einen unbekannten Text des Exils wieder zugänglich zu machen. Die ausführlichen Anmerkungen und Bibliografien zu dieser Schrift sind nicht nur Interpretationshilfen, sondern machen auch neugierig darauf, mehr von diesen unkonventionellen Frauen zu lesen, deren Porträts Etta Federn vor fünfzig Jahren skizziert hat.

Ursula Seeber
9. Dezember 1998

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