logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   mitSprache

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Hans-Albrecht Koch, Gabriella Rovagnati, Bernd H. Oppermann (Hrsg.): Grenzfrevel.

Rechtskultur und literarische Kultur.
Bonn: Bouvier, 1998.
(Abhandlungen zur Kunst- , Musik- und Literaturwissenschaft. 401).
277 S., m. Abb., geb.; DM 58.-.
ISBN 3-416-02779-5.

"Grenzfrevel" ist der vielversprechende Titel des Sammelbandes mit den Beiträgen des internationalen Kolloquiums "Rechtskultur und literarische Kultur", abgehalten im November 1997 an der Universität Bremen. Als terminus technicus für einen juridisch ahndbaren Sachverhalt verweist der Titel auf die unter Laien verbreitete Tendenz, Recht im wesentlichen mit Strafrecht zu identifizieren und die viel breiteren Bereiche des Privat-, Staats- und Verwaltungsrechtes eher auszublenden. Der Titel deutet aber auch die "vergnügliche Frivolität" (S. 7) an, die jedem Verrücken von Grenzen und jedem Blick über fremde Zäune eignet und die im wissenschaftlichen Diskurs heute gerne mit dem Topos Interdisziplinarität auftritt. Die Aufsätze des sorgfältig gestalteten Bandes demonstrieren die Fruchtbarkeit interdisplinärer Herangehensweisen in bester und buntester Manier.

Da sich Literatur immer für das Verhältnis von Individuum / Gruppe und Gesellschaft, für Fragen nach Schuld und Verrat interessiert, sind die Reibungspunkte an den Gesetzen und Usancen, die sich eine Gesellschaft gibt, besonders ergiebige Kristallisationspunkte der Interpretation. Zudem war die Jurisprudenz über Jahrhunderte hindurch beliebtes Brotstudium vieler Schriftsteller und in einigen "Dichterjuristen" - wie etwa E. T. A. Hoffmann oder als jüngeres Beispiel Albert Drach - hat sich die inspirierende Verbindung beider Professionen zu klassischen Beispielfällen verdichtet.

Es ist ein breiter literarhistorischer Bogen, den die Beiträge mit dem Blick auf Recht und Rechtssprechung abstecken. Er beginnt beim rechtskundigen Blick auf die Literatur der römischen Antike (Michael von Albrecht) und bringt unter anderem Einzeluntersuchungen zu Klopstocks "Gelehrtenrepublik" (Hans-Wolf Jäger), zu Gottfried Kellers Unrechtsbegriff (Gert Sautermeister), zu Gerhart Hauptmann (Wulf Segebrecht), Stefan Zweig (Gabriella Rovagnati), Karl Kraus (Sigurd Paul Scheichl), Hugo von Hofmannsthal (Mariana Làzarescu) und Hermann Broch (Giulio Schiavoni). Der Fall Maurizius wird ebenso wieder aufgerollt (Dierk Rodewald) wie die Debatte um Klaus Manns Gustav-Gründgens-Roman "Mephisto" (Harm Peter Westermann) als Paradefall für die "Abwehr einer Persönlichkeitsverletzung durch eine literarische Äußerung" (S.168) oder der geheimnisvolle Doppelselbstmord in Thomas Bernhards früher Erzählung "An der Baumgrenze" (Horst Kreye).

Eine Reihe von Beiträgen liefern darüber hinaus Überblicke zu speziellen Fragestellungen und Themenkomplexen. Ulrich Baron etwa untersucht die Juristenbilder der Literatur von Geoffrey Chaucer über Christoph Martin Wieland und Heinrich von Kleist bis zu Theodor Fonatane; Dietrich von Engelhardt vergleicht Sittlichkeitsdelikte der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Wissenschaft und Literatur und der abschließende Beitrag von Michael Klein listet in Längs- und Querschnitten eine erdrückende Fülle an Titeln und Problemkonstellationen auf zur Frage "Der einzelne und die Staatsverwaltung als Gegenstand der Literatur". Diese umfangreichen Aufzählungen bieten eine überzeugend vorstrukturierte Übersicht für Ansatzpunkte weiterer Forschungsprojekte im Zeichen des Grenzfrevels.

Evelyne Polt-Heinzl
10. September 1998

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Die Calamari warten

Fr, 22.06.2018, 19.00 Uhr Lesungen | Studierende des Jahrgangs 2015/2016 des Instituts für...

Junge LiteraturhausWerkstatt on stage

Do, 28.06.2018, 19.00 Uhr Lesungen Vor der Sommerpause geben die Autor/inn/en der Jungen...

Ausstellung
Jung-Wien: Positionen der Rezeption nach 1945

08.05. bis 29.08.2018 Ausstellung | Foyer Jung-Wien war ein Literaturkreis im frühen 20....

ZETTEL, ZITAT, DING: GESELLSCHAFT IM KASTEN Ein Projekt von Margret Kreidl

ab 11.06.2018 bis Juni 2019 Ausstellung | Bibliothek Der Zettelkatalog in der...

Tipp
OUT NOW – flugschrift Nr. 23 von Kinga Tóth

Kinga Tóths flugschrift, die den Titel SPRACHBAU trägt, ist vorübergehende Begrenzung einer...

Literaturfestivals in Österreich

Während die Literaturszene noch auf der Leipziger Buchmesse weilt, ist Wien schon startklar für die...