logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

Netzwerk Literaturhaeuser

mitSprache

arte Kulturpartner

Incentives

Bindewerk

kopfgrafik mitte

Georg Pichler: Die Beschreibung des Glücks.

Peter Handke - Eine Biografie.
Wien: Überreuter, 2002.
208 S. geb.; Euro (A) 19,90.
ISBN 3-8000-3883-8.

Georg Pichler stellt in der "Einleitung" seine Arbeit mit zwei verschiedenen Etikettierungen vor: es sei "die erste umfassende Biografie Handkes" und später, es seien "Annäherungsversuche" an Leben und Werk. Der erste Anspruch reflektiert wohl den Forschungsstand - abgesehen von Adolf Haslingers Monografie über Handkes Jugend gibt es nichts "Umfassendes"; der zweite trifft das Ergebnis wohl besser. Die Schwierigkeiten, über einen lebenden Autor zu schreiben, sind notorisch. Abgesehen von dem ambivalenten Rat: "Machen Sie doch, was Sie wollen!" scheint Handke das Projekt nicht allzu sehr gefördert zu haben - zumindest fehlt in den Quellen das "große" ("umfassende") Interview mit dem Autor.

Doch gleichzeitig ist "Handke über Handke" in dem Band omnipräsent. Es gibt eine durch unzählige fiktionale Texte und Interviews laufende untergründige "Autobiografie" Peter Handkes: der Dichter hat sein Leben und die Personen seiner Umgebung fiktionalisiert und die Zahl seiner nicht nur die dichterische Arbeit, sondern auch die Biografie kommentierenden Interviews ist Legion. Und diese "Autobiografie" ist die zentrale Quelle Pichlers, er hat an entlegenen und heute unzugänglichen Stellen liegendes Material gesammelt und komprimiert. Es sind also - mit Ausnahme zahlreicher zitierter Briefe Handkes - hauptsächlich gedruckte Materialien, auf die sich diese Biografie stützt. Die berühmten "Rowohlt - Monographien" liefen früher unter der Bezeichnung: XX in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten" und das wäre auch für diesen Band eine adäquate Bezeichnung.

Pichler geht in seiner Darstellungsweise sehr sachlich vor: er beschreibt einen biografischen Ablauf, konfrontiert ihn mit den Auswirkungen auf das Werk, zitiert Selbstkommentare und Berichte oder Kommentare Dritter. Häufig - ein kleines Beispiel: Handkes Beziehung zur Rockmusik - stehen widersprüchliche Selbstaussagen unkommentiert nebeneinander und der Autor fühlt sich nicht verpflichtet, diesem Widerspruch nachzugehen. Auch in der Frage der Werkinterpretation bleibt Pichler entweder abstinent oder referiert anerkannte Sekundärliteratur. Das Privatleben Handkes - sofern es nicht in Prosa oder Interviews behandelt wurde - bleibt weitgehend unerörtert. Unter den ungedruckten Materialien sind vor allem die Briefe an Alfred Kolleritsch wichtig, mit dem Handke einen über Jahrzehnte laufenden Dialog über seine Arbeit geführt hat.

Eine kleine Kostbarkeit ist ein offensichtlich von Pichler entdeckter Brief Curd Jürgens an Handke, in dem dieser "den faszinierendsten deutschsprachigen Dichter dieser Jahre" tatsächlich bat, für ihn eine Rolle zu schreiben. Jürgens dachte an eine "Figur (...), die im schroffen Kontrast zu seiner (sic!) äußerlichen Erscheinung steht": "Mit anderen Worten, es würde mich ungeheuer reizen, einen KOLOSS AUF TÖNERNEN FÜSSEN ... zu spielen." Ob der "normannischen Kleiderschranks", dessen Karriere damals offensichtlich stagnierte, Handke wirklich verstanden hat, bleibt dahingestellt.

Dass Pichler mehr als treuer Chronist der Selbstbilder des Objekts seiner Arbeit auftritt, spricht ein wenig gegen den Anspruch von der "umfassenden" Biografie, soll aber sein Verdienst nicht schmälern. Nicht nur ist es eine Leistung, die Vielfalt der Quellen zusammengefasst zu haben, Pichler versteht es auch, Handke "sichtbar" zu machen. Haltungen - etwa die zu Jugoslawien - die wir nur in der massenmedialen Zuspitzung kennen, werden hier in ihrer langsamen Entwicklung gezeigt. Handke ist nach dieser Arbeit für das Publikum verstehbarer und seine Positionen haben an Nachvollziehbarkeit gewonnen - ich bezweifle, dass eine biografische Arbeit im Augenblick mehr leisten könnte.

 

Alfred Pfabigan
16. Oktober 2002

Originalbeitrag

Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
schriftlinien – Brigitta Höpler | Rhea Krcmárová | Erika Kronabitter | Barbara Rieger | Andrea Zámbori

Fr, 26.04.2019, 19.00 Uhr Transmediale Poesie Die Veranstaltungsreihe schriftlinien widmet sich...

xyz – .aufzeichnensysteme | patricia brooks | thomas havlik | judith nika pfeifer | jörg piringer

Mo, 29.04.2019, 19.00 Uhr Lesungen | Performances | Sound Poetry xyz – die drei achsen im...

Ausstellung
Christine Lavant – "Ich bin wie eine Verdammte die von Engeln weiß"

09.05. bis 25.09.2019 Die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit ihrem Werk und die...

"Der erste Satz – Das ganze Buch" – Sechzig erste Sätze
Ein Projekt von Margit Schreiner

24.06.2019 bis 28.05.2020 Nach Margret Kreidl konnte die Autorin Margit Schreiner als...

Tipp
Soeben erschienen – die flugschrift Nr. 26 von Thomas Havlik

Thomas Havliks poetisches Tun ist an den Grenzen von Sprache angesiedelt, dort, wo Sprache...

ZETTEL, ZITAT, DING – GESELLSCHAFT IM KASTEN

Noch bis 23. Mai ist Margret Kreidls Zitatkasten-Kunstwerk im Literaturhaus zu sehen....