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Astrid Poier-Bernhard: Viel Spaß mit Haas!

Link zur Leseprobe

Spiel - Regel - Literatur.
Wien: Sonderzahl 2003.
170 S.; brosch.; Euro 16,-.
ISBN 3-85449-205-7.

"Oder ohne Haas, je nachdem, wie du das jetzt sehen willst ...", lautet ein Untertitel des Essays von Astrid Poier-Bernhard, der nämlich eines nicht ist: die fällige Auseinandersetzung mit dem Oeuvre des österreichischen Krimi-Autors Wolf Haas, mit seinen Schauplätzen und Figuren, der Soziolekt-Herkunft seines Stils, und seine Einordnung innerhalb des Genres Kriminalroman. Damit hat das Sonderzahl-Taschenbuch nichts zu tun. Dies sei vorweg deutlich gesagt, damit Fehlgriffe vermieden werden.

Die Texte von Wolf Haas dienen Astrid Poier-Bernhard nur als Absprungbasis für einen literaturdidaktischen Versuch, eine bestimmte Literaturform zu vermitteln, eine, die mit "Oulipo" verknüpft ist, der französischsprachigen "Werkstatt für potentielle Literatur", dem italienischen Ableger Oplepo, überhaupt mit der europäischen Sprachspiel-Avantgarde; an deutschsprachigen Beispielen präsentiert sie Texte von Unica Zürn, Ilse Kilic, Regula Venske, Margit Kreidl u. a. Die Grazer Romanistin wird sich also den Vorwurf wohl gefallen lassen müssen, als Wolf im Haaspelz oder Haas im Wolfspelz zu erscheinen, obwohl ihre Methode Witz und auch Sinn hat und die Haas-Bezüglichkeit natürlich durchaus besteht, und zwar in zweierlei Hinsicht:

Erstens ist der gesamte Essay Poier-Bernhards konsequent im Stil der beliebten Krimis von Wolf Haas mit der kauzigen Hauptfigur Brenner geschrieben. Die Umgangssprache, die Phraseologismen, die Elipsen, die du-Anreden - alles! In dieser Haas-Sprache bewegt sich Poier-Bernhard meisterlich, kein einziges Mal fällt sie aus der Rolle. Damit exerziert sie vor, was Schreiben mit "methodischen Einschränkungen" ist: sie hat ihre Rede über methodische Einschränkungen vermittels einer methodischen Einschränkung aus dem literaturwissenschaftlichen Jargon in den Wolf-Haas-Jargon übersetzt.

Zweitens stößt sich Poier-Bernhard zu ihrer Einführung in die Formen und Methoden des streng geregelten Sprachspiels von Wolf Haas ab, und zwar mit einer Reflexion der Lesererwartungen, die die Haas'schen Bücher auslösen. Im einem gleitenden Übergang gelangt sie vom Haas-Thema, der Begrenztheit der kriminalistischen Lösungsmöglichkeiten, zur potentiellen Literatur und zu den literarischen Verfahren der Begrenzung, die da sind: das Anagramm, das Lipogramm, das Palindrom, und viele, viele andere, die in einem Glossar, in das das Buch ausläuft, erklärt sind. Beim Übergang hilft sie sich mit der literarischen Gattung des Pastiche, die sie zugleich erläutert und gebraucht. In welchem Verhältnis sich das Pastiche zur Haas-Schreibweise und zu den Absichten Astrid Poier-Bernhards mit ihrem Schreibexperiment befindet, das führt unsere Textprobe aus einer Schlüsselstelle des Essays vor, die zugleich ihre Schreibweise treffend veranschaulicht. (S. 40)

Die Abschweifungen in diesem Essay sind scheinbar zügellos, doch kommen LeserInnen auf ihre Rechnung, die sich für sprachspielerische Verfahren interessieren. Das Buch bietet eine originelle Einführung in die Verknüpfungsregeln von Olipo, es vermittelt eine Ahnung davon, wie Sprache, nach welchem scheinbar sinnentfremdeten Ableitungen sie auch hergestellt ist, unwillkürlich Sinn schafft. Vorgegeben sind abstrakte Regeln und Muster, reine Struktur. Nicht der Sinn diktiert die Sprache, die Sprache diktiert den Sinn. Ich stelle eine Vermutung ans Ende, die empirisch allerdings erst untermauert werden müsste. Die begeisterten Haas-Leser werden womöglich nicht alle sofort zu begeisterten Poier-Bernhard-Lesern werden.

Walter Fanta
22. Juli 2003

Originalbeitrag

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