logo kopfgrafik links adresse mitte kopfgrafik rechts
   

FÖRDERGEBER

   Bundeskanzleramt

   Wien Kultur

PARTNER/INNEN

   Netzwerk Literaturhaeuser

   arte Kulturpartner
   Incentives

   Bindewerk

kopfgrafik mitte

Ernst Pichler: Karl Heinrich Waggerl.

Eine Biografie.
Innsbruck: Haymon, 1997.
320 S., geb.; öS 298.-.
ISBN 3-85218-257-3.

Der ursprüngliche Untertitel dieser Waggerl-Biografie hätte laut Katalog "Eine Zurechtrückung" lauten sollen. Damit wäre von Anfang an die Intention des 1930 in Graz geborenen früheren Fernseh- und Theaterautors Ernst Pichler offen gelegen: es geht ihm um eine Inschutznahme des verehrten Schriftstellers vor den Klauen der Germanistik und "Journaille", welche Unwahrheiten verbreitet und überzogene, selbstgerechte Kritik walten hätten lassen.

Pichler stellt diese subjektive Sicht der Dinge von Anfang an klar, das macht das Unterfangen vorerst sympathisch. Auch der an privaten Details interessierte Leser (und wer ist bei einer Biografie frei von solchen Gelüsten?) kommt auf seine Rechnung, so erfährt man bereits im Vorwort alles über die - angeblich nicht restlos geklärten - Umstände des Ablebens Waggerls. Doch zusehends wird Pichlers "Subjektivität" zur Crux der Arbeit: einer der zahlreichen "antigermanistischen" Vorwürfe richtet sich gegen die Meinung, Waggerl sei unter ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen, Pichler verunglimpft das als "Innerhofer-Effekt"; Pichler selbst setzt dann allerdings Waggerls bescheidene materielle Verhältnisse immer wieder argumentativ ein. Er spricht enervierend oft von "Söhnen aus gutem Haus" (u. a. vom "Tantiemen-Millionär Berthold [sic] Brecht"), die vielleicht als die besseren Schriftsteller angesehen würden, es aber auch viel leichter gehabt hätten als der Außenseiter Waggerl; dieser hätte sich etwa eine Emigration gar nicht leisten können. Parallel zu dieser stehenden Wendung bezeichnet Pichler seinen Autor häufig messianisch als "Sohn eines Zimmermannes".

Es sind die über das ganze Buch verstreuten problematischen Passagen, die das an und für sich redliche Unterfangen untergraben. Da wird etwa klar, daß Pichler Homosexualität als Vorwurf sieht, indem er auf Parallelen zwischen Waggerl und H. C. Andersen hinweist und sogleich anfügt, niemand könne Waggerl "vor- bzw. nachwerfen", er sei ebenso wie Andersen homosexuell.
Da liest man die Meinung, die Verbrechen der sowjetischen Besatzungssoldaten nach 1945 seien ein "Terror, der den Nazigreueln zumindest ebenbürtig war", gewesen. Und da stehen Entgleisungen wie die folgende: über die Loyalität von Waggerls Verleger Kippenberg, der wie eine Art Ersatzvater zu seinem Autor stand, schreibt Pichler, dieser "glaubte an ihn wie etwa Fürst Lobkowitz weiland an seinen Hausneger."

Vielleicht sollte man zum hundertsten Geburtstag anstatt Biografien besser Waggerl selbst lesen - er war nicht nur der "Idylliker", als der er immer noch gilt.

Wolfgang Straub
25. November 1997

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Suche in den Webseiten  
Link zur Druckansicht
Veranstaltungen
Doing Gender in Exile. Flüchtlings- und Exilforschung im Dialog

Mi, 18.10.2017, 19.00 Uhr Diskussion Die Eröffnungsveranstaltung der Jahrestagung der...

Ringvorlesung "Der Zeitungsausschnitt"

Mi, 18.10.2017, 11.00-13.00 Ringvorlesung In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Vergleichende...

Ausstellung
Sabine Groschup – AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN* 101 Taschentücher der Tränen und ausgewählte Installationen *F. M. gewidmet

Mit AUGEN SPRECHEN TRÄNEN REDEN präsentiert das Literaturhaus Wien textspezifische Arbeiten sowie...

Tipp
flugschrift Nr. 19 von KIKKI KOLNIKOFF aka MIROSLAVA SVOLIKOVA

Beim Auffalten der flugschrift Nr. 19 wird man umgehend konfrontiert mit einem ständigen...

Incentives – Austrian Literature in Translation

Neue Beiträge zu Clemens Berger, Sabine Gruber, Peter Henisch, Reinhard Kaiser-Mühlecker, Barbi...