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Erhard Schütz u. a. (Hrsg.): Das BuchMarktBuch.

Der Literaturbetrieb in Grundbegriffen.
Reinbek: Rowohlt, 2005.
(rowohlts enzyklopädie. 55672).
429 S.; brosch.; Euro (D) 14,90.
ISBN 3-499-55672-3.

Es grenzt beinahe an Provokation, eine im August 2005 erschienene Publikation über den Buchmarkt im Oktober des Folgejahres zu besprechen - schließlich ist eines der wesentlichsten Kennzeichen des Buchgeschäftes unserer Tage seine enorme Schnelllebigkeit: Das einzelne Buch kommt und ist schon wieder weg "wie ein Schnupfen" (Darryl Pickney). Andererseits markiert der Reihentitel "rowohlts enzyklopädie" doch auch den Anspruch eines länger gültigen Nachschlagewerkes - aber das ist natürlich relativ. Einige Einträge sind heute schon tendenziell überholt. So schreibt Vera Schnell, Buchhändlerin in Siegen, in ihrem Beitrag zu ISBN/ISSN, also der International Standard Book Number bzw. Serial Number, die seit 1970 die Impressi und heute auch die Strichcodes auf den Buchrücken ziert: "Sie ist stets zehnstellig" - was mittlerweile so schon nicht mehr stimmt: spätestens ab 1.1.2007 wird sie überall dreizehnstellig sein.

Lesenswert bleibt das Buch natürlich trotzdem. Über 50 Praktiker des Betriebs, also Verleger, Lektoren, Schriftsteller, Literaturagenten und -veranstalter, aber auch Eventmanager, Fundraiser oder Medienwissenschaftler, Ökonomen und Juristen haben zu alfabetisch gereihten Stichworten ein bis mehrseitige Überblicksdarstellungen beigetragen. Die Herausgeber Silke Bittkow, David Oels, Stephan Porombka, Erhard Schütz und Thomas Wegmann haben - so liest man im Vorwort - nicht versucht, die "verschiedenen Sichtweisen einander anzugleichen oder gar zu nivellieren" (S. 8). Auch wenn nicht ganz klar ist, was die Unterscheidung von "angleichen" und "nivellieren" hier meint, ist diese herausgeberische Abstinenz prinzipiell verständlich und trägt wohl auch zur Buntheit des Kompendiums bei. Allerdings sind Informationswert und Niveau der Beiträge dadurch doch einigermaßen unterschiedlich geraten, konkretere Vorgaben für die Autoren hätten dem Buch insgesamt vielleicht gut getan.

Prinzipiell richtig war es sicher, bei "Buchmenschen", als die man sich die potentiellen Leser wohl vorstellen darf, in Fragen betriebswirtschaftlicher Grundbegriffe von einem gewissen Informationsdefizit auszugehen und bei Stichworten wie Benshmarketing, Portfolio-Analyse oder Mission Statement nicht allzu viele Kenntnisse vorauszusetzen. Bei Begriffen aus dem engeren Umfeld der Buchwelt wie Verlag (ergänzt durch die Einträge zu Verlagsvertrag, Verlagsvertreter und Verleger), Bibliothek, Buch oder Buchdruck scheinen die Autoren aber doch von einigermaßen unterschiedlichen Vorstellungen zu starten, was erklärungsbedürftig ist und wie komplex die dargebotene Information sein soll und kann.

Zweifellos eine Stärke des Buches ist die große Zahl von Einträgen, die sich mit den jüngsten Tendenzen des Buchmarktes auseinandersetzen und dabei allgemeine gesellschaftliche Debatten und Entwicklungen nicht aussparen. So findet man Diskursives zu Begriffen wie Erlebnisgesellschaft oder Event ebenso wie unter dem Schlagwort Internet die Problematik des Trends zur Hobby-Literaturkritik, die von Amazon bereits auf die "Bildzeitung" übergeschwappt ist. Worauf die Beiträge durchgehend verzichten - und zu einem gewissen Grad wohl auch verzichten müssen -, sind alle Fragen nach den Gründen für konstatierte Entwicklungen und Tendenzen. Was bedeutet die im Beitrag Journalismus festgestellte Neigung, tagesaktuelle Glossen-Plaudereien so rasch wie möglich und nicht selten ohne große Qualitätsansprüche in Buchform zu publizieren? Was heißt es, dass Ende des 18. Jahrhundert erstmals der Begriff "Kanon" in der literarischen Kommunkiation auftaucht, der heute wieder besonders heftig debattiert wird? Mitunter mündet der Anspruch, auf knappstem Raum den großen Bogen der Historie bis in unsere Tage zu schaffen, in problematischen und wenig aussagekräftigen Reihenbildungen. "Trotz vielfältiger Ächtung der Presselandschaft, etwa als 'Phrasensumpf' (Karl Kraus), rekrutiert sich damals wie heute eine beachtliche Zahl literarischer Autoren aus dem Journalismus (Gabriele Tergit, Erich Kästner, Maxim Biller, Dirk Kurbjuweit, Eva Manesse [!] u. a.)." Abgesehen von dem wohl unbeabsichtigten Hinweis auf die Relativität gehypter Kurzzeit-Prominenz im Fall der tatsächlichen Journalistin Eva Menasse zeugen solche Aufzählungen wohl von einer gewissen Unsicherheit im literarischen Feld - dem lobenswerter Weise ein eigener Eintrag gewidmet ist.

Nützlich sind die Querverweise am Ende der Beiträge, etwas umfangreicher und gezielter hätte man sich die angehängten Literaturangaben gewünscht; da scheinen im übrigen oft gerade jene Beiträger, die sich mit den jüngsten Tendenzen beschäftigt haben, nicht ganz am neuesten Stand gewesen zu sein. Der Eintrag zum Event hört mit einer Literaturangabe aus dem Jahr 1999 auf, als die diesbezüglichen Debatten gerade einzusetzen begannen, und beim Thema Bestseller, wo die jüngste Literatur Regale füllt, wirken die Hinweise auf zwei schmale Aufsätze und einen "Spiegel-"Artikel doch überraschend genügsam.

 

Evelyne Polt-Heinzl
8. November 2006

Originalbeitrag

Für die Rezensionen sind die jeweiligen Verfasser verantwortlich. Sie geben nicht notwendig die Meinung der Redaktion wieder.

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