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Martin Sexl (Hrsg.): Einführung in die Literaturtheorie.

Wien: Facultas Verlag, 2004.
323 S.; brosch.; Euro 17,50.
ISBN 3-8252-2527-5.

Nichts als Lob vornweg: Selten hat man eine so komplexe, umstrittene, widersprüchliche Materie wie die Literaturtheorie so verständig und lesbar aufgearbeitet gefunden. Ein Buch - so die Intention der Autorinnen und Autoren - zur Einführung in den Gegenstand, und doch weit mehr als das. Denn nicht nur für fächerübergreifend Interessierte, für Kulturwissenschaftler oder für Naturwissenschaftler, die sich in ihren epistemologischen Fragestellungen durchaus mit den Geisteswissenschaften verbunden fühlen, wird dieses Buch hilfreich sein. Ebensowenig ist es bloße Einstiegslektüre für Erstsemester-Germanisten; nein, auch jedem, der schon lange im Felde der Philologie und Literaturwissenschaft arbeitet (und allmählich vor lauter Bäumen den Wald nicht mehr sieht), sei dieses Buch aufs Angelegentlichste empfohlen. Hier hat sich ein Team von jungen Autorinnen und Autoren getraut, mutig bei Basis-Sätzen anzufangen ("eine genuin Foucault'sche Literaturwissenschaft gibt es nicht"), um dann, keineswegs naiv oder der Komplexität ihrer Gegenstände nicht gewachsen, Schritt für Schritt diese wieder zu differenzieren und so in ihren Vernetzungen wie in ihren Widersprüchen für den Leser einsichtig, kritisierbar zu machen. So luzide die Sprache aller dieser Beiträge, naiv oder verkürzend sind die Gedankengänge und Darstellungen deshalb noch lange nicht.

Was nun bekommt der Leser an Literaturtheorie(n) geboten? Zunächst grundlegende Definitionen: Was ist Literatur? Was ist Theorie? Was ist Literaturtheorie? Bereits in dem von Martin Sexl verfassten Einführungskapitel wird klar, wie beherzt im folgenden das Hauptthema angegangen werden soll. Übersichtlich und - soweit es der Rahmen erlaubt - auch umfassend die beiden historischen Überblicke: Literaturtheorie von der griechischen Antike bis zur Romantik (von Karlheinz Töchterle) und die Entwicklung der modernen Literaturtheorie seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts (von Martin Sexl). Was hier im Überblick angerissen wird, ist im weiteren dann Thema der insgesamt sechs Kapitel; jene Hauptströmungen der Literaturtheorie nämlich, die, in fundierten Darstellungen und Analysen, die Autorinnen und Autoren auszumachen glaubten: die von Ekkehard Hey-Ehrl verfasste Einführung in materialistische Theorien (und der hier erstmals auftauchende und im weiteren durchgehaltene Plural zeigt bereits, dass man keineswegs auf Konsistenz trimmte, was nie konsistent war), die hermeneutischen Theorien (von Christiane Leiteritz), die formalistisch-strukturalistischen Theorien (von Martin Sexl), die feministischen (von Anna Babka), die empirischen (von Sibylle Moser) und schließlich die diskursanalytisch-kontextuellen Theorien (von Beate Burtscher-Bechter). Dass sowohl psychoanalytische wie medientheoretische Ansätze ausgeklammert werden, ist dem Herausgeber wohl bewusst und betrübt weniger aufgrund seiner nicht immer ganz nachvollziehbaren Argumente (psychoanalytische Literaturtheorie sei keine wirklich eigenständige Theorie als vielmehr Bestandteil zahlreicher hier vorgestellter Ansätze; im Falle der Medientheorien befürchtete Sexl, einen größtenteils von der Literatur im strengen Sinn doch sehr differenten Gegenstand zu fokussieren) als durch den Umstand, dass nicht auch auf diesen Haupt- und Nebenstraßen die so hilfreiche Suchlampe des Autorenteams zur Verfügung steht.

Innerhalb der einzelnen Beiträge stets dieselbe Übersichtlichkeit: zunächst Theorie(n) und Methode(n), deren Hauptvertreter, Entwicklung, Differenzierung, Quervernetzung, dann Diskussionen und Kontroversen. Dabei fürchten sich die AutorInnen, wie gesagt, nicht vor (fürs erste) klaren (An-)Sätzen, die eine Schneise in das Begriffswirrwarr der Quellen (und oft auch der Autoren selbst) legen. Am wenigsten verfallen die VerfasserInnen der Sucht, durch Wortgeklingel und Spezialjargon allein das Spezifische der einzelnen Ansätze herbeiläuten zu wollen. Sie reduzieren die Spezialterminologie auf das Notwendigste, so dass selbst das am Ende des Buches bereitgestellte Glossar übersichtlich bleibt und zum Lesen einlädt. Dieselbe Ökonomie zeigt sich auch darin, dass an dieser Stelle, dem Glossar, die Kernstichworte (Hermeneutik, Rezeptionstheorie etc.) gespart werden durch den Hinweis auf das jeweilige Grundkapitel, in denen Probleme und Termini dann adäquat verhandelt werden (was allerdings voraussetzt, dass man schon weiß, in welcher Schublade welcher Begriff auftauchen könnte).

Last but not least sei noch auf den Leserservice eines Personenregisters und zweierlei, sehr sinnvoll getrennte Bibliographien hingewiesen: jeweils eine am Schluss der einzelnen Schwerpunkt-Kapitel (die immer das auch heute noch Beschaffbare, Essentielle im Blick hat), und als zweite eine kommentierte Übersichtsbibliographie am Ende des Sammelbandes. Bei so viel Anregendem und zum Lesen Aufforderndem bleibt der kleine Wermutstropfen, dass das Buch schon nach dem ersten Blättern aus dem Leim fällt, und dass dem geneigten Leser, der damit eigentlich gründlich arbeiten wollte (und glaubte, endlich einmal etwas Handfestes in den Händen zu halten) nun doch Zweifel kommen: Sollte der Zustand unseres literaturwissenschaftlichen Fachs vielleicht viel desolater sein, als es die Beiträge vermuten lassen?

Iris Denneler
8. Juni 2004

Originalbeitrag

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