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Anton Schwob und Zoltan Szendi (Hrsg.): Aufbruch in die Moderne.

Wechselwirkungen und Kontroversen in der deutschsprachigen Literatur um die Jahrhundertwende im Donauraum.
München: Südostdeutsches Kulturwerk, 2000.
227 S., öS 280.-.
ISBN 3-88356-124-X.

Dass auch die Kulturwissenschaften steter Aufdatierung ihrer Labels und Forschungsinteressen bedürfen, ist durchaus würdig und recht und so mag man nicht weiter darüber erstaunen, in dem morgengestimmt "Aufbruch in die Moderne" betitelten Tagungsband eines deutsch-österreichisch-ungarischen germanistischen Symposiums jenen thematischen Schwerpunkt zu finden, der bislang unter "Wien um 1900" rubriziert wurde. Entsprechend hofmannsthalt es ordentlich und es blieben die in ihrem Niveau höchst unterschiedlichen Fachbeiträge dieses Buches Spezialistenlektüre, gäbe es darunter nicht auch einige bemerkenswerte Anregungen, literarhistorische Desiderate - speziell, was die deutschen Literaturen der ost- und südosteuropäischen Regionen betrifft - zu beheben. So richtet Horst Fassel die alte Frage nach "Gleichzeitigkeit oder Phasenverschiebung" literaturgeschichtlicher Entwicklungen an die deutschsprachigen Regionalliteraturen Ungarns und es erweist sich, wie sehr der Faktor "Zeit" an die Eigenschaften des jeweiligen Raumes gebunden ist: Der Grad der Dichte des Kommunikationsflusses zwischen den modernitätsgenerierenden Zentren (Berlin, Wien, Budapest) und den diversen Peripherien (Siebenbürgen, Banat, Batschka) stand einerseits in direkter Relation zu den Möglichkeiten der Moderne in der "Provinz", was allerdings wiederum nicht hinderte, dass die deutschsprachigen Kulturen innerhalb der Sprachinseln zu einer prinzipiell konservativen "frontier"-Mentalität neigten. Fallbeispiele wie das Wirken des österreichischen Dichters und Germanisten Edward Samhaber in Ljubliana (Mira Miladinovi Zalaznik) oder der prononciert "modernen" Kronstädter Zeitschrift "Die Karpathen" (Stefan Sienerth) belegen auf höchst instruktive Weise die Komplexität solcher Vermittlungs- und Abgrenzungsszenarien. Mit zunehmender Simultaneität des Informationsflusses zwischen den Zentren und den Regionen ebnete sich zwar das alte West-Ost-Gefälle, doch vermochten sich regionale und spezifische Ausformungen der Moderne (etwa in Czernowitz) erst herauszubilden, als 1918 die Klammer der Monarchie endgültig aufsprang.

 

Christiane Zintzen
1. Oktober 2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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