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Leseprobe: Friedrich Achleitner - "wiener linien."

böser tag

ein böser tag kündigte sich an. alle menschen in der u3 blickten finster in das verengte und verkürzte blickfeld. es war früher morgen. eine alte frau mit trachtenhut und schildhahnfeder, die mit ihrem krötengesicht eine deix-metamorphose nicht vor, sondern hinter sich hatte, blickte mich an, als wäre ich durch mein platznehmen ihr gegenüber in ihren besitzstand eingedrungen. ihr nachbar, der gerade aus der krone erfuhr, dass wir keine neuen abfangjäger brauchen - ich schaute zweimal auf das kleinformat, es war wirklich die krone - , fühlte sich von der dicken alten frau bedrängt und wechselte ostentativ die seite. dass sich im selben moment eine frau mit rucksack auf seine bank setzte, gönnte ich ihm. der böse tag versprach zu einer hochform aufzusteigen, ich konnte ihn aber nicht mehr verfolgen. wenigstens bis ottakring hätte ich es gerne getan, aber ich musste aussteigen.

(S. 53)

auf dem absatz

das soll eine geschichte sein, sagte er, drehte sich auf dem absatz um - eine bewegung, die nur als redewendung keiner beachtung wert ist, die aber, um exakt ausgeführt zu werden, ein langes training erfordert, so dass der aufwand, der damit verbunden, sich nicht lohnt - und verschwand in der menge, für die zu beschreiben eine geschichte nicht ausreicht, geschweige denn eine so kurze wie diese.

(S. 97)

verheißungsvoller anfang

sie hatte ihre bettwärme in einen flanellmantel gehüllt und trat mit lederhut und der mühsam erworbenen indianerhaut auf den lichtdurchfluteten wiener fleischmarkt. sie ging schnellen schrittes, was bei dem gefälle keine anstrengung war, den laurenzerberg hinunter und verschwand im pizzageruch des schwedenplatzes. niemand hat ihren auftritt bemerkt, geschweige denn festgehalten: so löste sich eine spannende kriminalgeschichte vorzeitig am ufer des donaukanals in nichts auf.

(S. 98)

© 2004, Zsolnay, Wien.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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