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Ingo Thonhauser-Jursnick: Tourismus-Diskurse.

Locus amoenus und Abenteuer als Textmuster der Werbung, der Trivial- und Hochliteratur.
Frankfurt, Berlin, Bern: Peter Lang, 1997.
(Europäische Hochschulschriften. Band 1636).
279 S., brosch.; DM 89.-.
ISBN 3-901257-04-7.

Die Fremdenverkehrs-Werbung preist Österreich im wesentlichen mit Hilfe zweier literarhistorisch wohlbekannter "Topoi" oder "Textmuster" an: Zum einen verspricht sie abenteuerliche Erlebnisse, als könne man Österreich wie ein mittelalterlicher Held durchqueren, zum anderen beschreibt sie das Land als einen einzigen "Locus amoenus", einen weltabgewandten Ort also, der zur beschaulichen Ruhe einlädt.

Diesen gut begründeten Befund präsentiert Ingo Thonhauser-Jursnick in einer Dissertation, die in Graz approbiert wurde und unter dem Titel "Tourismus-Diskurse" bei Peter Lang erschienen ist. Doch dient die Entdeckung, daß der "Locus amoenus" und "das Abenteuer" zwei komplementäre Seiten einer Werbestrategie sind, dem Verfasser nur als Ausgangspunkt für eine weitergehende textlinguistische Untersuchung: Anhand von Werbebroschüren aus Tirol und der Steiermark, aber auch am Beispiel trivialliterarischer Bergromane stellt er dar, daß und wie diese beiden "Textmuster" ihre normierende Kraft in Texten unterschiedlichster Art entfalten.

Für Literaturwissenschaftler dürfte dabei die Beobachtung am interessantesten sein, daß auch die kritischen Darstellungen des Fremdenverkehrs, die vor allem in sogenannten "hochliterarischen" Texten zu finden sind, nicht ohne die besagten Textmuster auskommen. Felix Mitterers "Piefke-Saga", Norberts Gstreins Roman "Einer" und Reinhard P. Grubers "Weststeirische Novellen" machen vom "Abenteuer" und vom "Locus amoenus" Gebrauch, wenn sie auch ironisch und spielerisch damit umgehen, und den "Locus amoenus" zuweilen in einen "Locus terribilis" verwandeln.

Thonhauser-Jursnick erarbeitet seine Einsichten in die Konstitutionsbedingungen tourismusbezogener Texte anhand einer Fülle von Material und mit theoretischem Anspruch. Das Mischungsverhältnis zwischen Theorie und Anwendung scheint allerdings nicht ganz ausgewogen zu sein. Insbesondere die feinen Differenzierungen zwischen den Begriffen "Textmuster", "Topos", "Gattung", "Frame", "Schema" usw., die einen beträchtlichen Teil des ersten Kapitels ausmachen, werden im zweiten, empirischen Teil nicht so subtil angewandt, wie sie im systematischen Teil entwickelt werden. Zumindest beim Rezensenten keimte deshalb der Verdacht auf, die theoretischen Präliminarien seien um einiges zu breit ausgefallen. Doch werden Textlinguisten darüber womöglich anderer Ansicht sein - und ihnen vor allem ist Thonhauser-Jursnicks materialreiche und theoriegesättigte Dissertation zugedacht.

Hermann Schlösser
13. Mai 1998

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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