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Kerstin Tomendal: Das türkische Gesicht Wiens.

Auf den Spuren der Türken in Wien.
Wien, Köln, Weimar: Böhlau, 2000.
325 S., geb.; öS 438.-.
ISBN 3-205-99191-5.

Was wäre wohl Wien ohne Kipferl und ohne Kaffee? Was ohne Strudel und ohne den Döner Kebab? - Es wäre ein Wien ohne die Türken, ein Wien ohne Geschichte und ohne Gegenwart. Dass erstere blutig gewesen, wird von den Wienern umso eiliger bestätigt, als mit Jan Sobieskis Entsatz des belagerten Wien 1683 ein klarer Sieg davongetragen werden konnte. Dass letztere, die Gegenwart nämlich, im Zweifelsfalle als "konfliktreich" bezeichnet werden muss, erweisen diejenigen politischen Parolen, welche gegen "Ausländer im Gemeindebau" agitieren. Solche Klüfte und Sprünge auszugleichen tritt nun die Orientalistin Kerstin Tomenendal an und entschleiert mit zarter Frauenhand "Das türkische Gesicht Wiens". Und voilà eine auf multikulturellen Zugewinn getrimmte Legende der wechselseitigen Erhellungen zwischen österreichischer und türkischer Kultur von A wie "Awaren" bis Z wie "Zuwanderer". Wenn dabei das kontinuierliche "k. und k." von "Krise und Konflikt" nur höchst verhalten vermeldet wird, entspricht diese fröhlich affirmative Wissenschaft der ansehnlichen Aufmachung des Bandes und dem hübschen Illustrationsmaterial. Der deutliche Wille, gefällig zu sein, muss dort jedoch an seine Grenzen stoßen, wo sich der Text als Kriegserklärung an die deutsche Sprache offenbart und wo das Hantieren mit Namen und Daten an grobe Fahrlässigkeit grenzt.

 

Christiane Zintzen
1. Oktober 2000

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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