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Franzobel: Nathans Dackel.

Eine Lessingvollstreckung / Paradies. 2 Stücke.
Wien: Edition Selene, 1998.
119 S., brosch.; öS 124.-.
ISBN 3-85266-085-8.

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"Nathans Dackel oder Die Geradebiegung der Ring-Parabel" ist laut Franzobel eine "Lessingvollstreckung". Zur Strecke gebracht wird unter anderem der Glaube an Toleranz. In Franzobels Sci-Fi "Nathan" herrscht längst eine Diktatur mit strenger Geburtenkontrolle. Entweder man hat Glück, oder man wird als "Prolet eingeteilt" und zur "Fleischerzeugung" gezüchtet. Glück hat man auch, wenn man durch das Los gezogen wird, denn dann darf man sterben ("der größte Luxus ist der Tod", S. 6). Hans Nat, ein "Proletenzüchter" wird per Los zur Hinrichtung erwählt, will aber nicht sterben. Auf der Flucht mit seiner blondbezopften Tochter Aphrodite gibt er sich als Schauspieler aus, und hin und wieder steigt er auf eine pelzüberwachsene Kanzel und deklamiert eine Verballhornung der Ringparabel, etwa die Ding- und Dung, Deodorantenparabel oder die Rang-, Schas- und Puhparabel, von einem Schas, der durch das Theater rast. Verraten wird Nat am Ende durch seinen bellenden Dackel Witz. Es bricht die Proletenrevolution aus, und alle die dachten, sie seinen gar keine Proleten, die muß Nat aufklären, er hat so manche Verwechslungen und Vertauschungen vorgenommen, selbst der Sohn des Polizei-Imperfekten Hallawachel gehört zu den Unterpriviliegerten. Das Schlußwort aber hat der grantige Komparseriechef. Alle Statisten sind krank, der Dackel muß die Revolution spielen.
"Nathans Dackel" ist eine Sprachverdrehungsparabel. Bloß worauf? Als Kleinbürgerfarce ist das Stück zu lieblich verspielt, auch zu wirr und ungenau, als Antitoleranzkritik tritt es zu verquer und auch zu harmlos auf, um Lessing in die heutige Zeit weiterzuschreiben, fehlt die nötige Motivation - warum Nat die Ringparabel verbiegt, wir wissen es nicht. "Nathans Dackel" ist vor allem eine lockere Spielerei mit dem Apparat Theater und den Mitteln der Sprache.

Auch "Paradies", das zweite Stück in diesem Band, ist ein Theaterwitz, eine kleine und sehr kecke Statistenphantasie. Franzobel muß es wissen, er war schließlich selbst als Komparse in kleinen Zubringerrollen am Burgtheater aktiv. Da hat man wenig zu tun, sieht aber viel, was guten Stoff gibt. Sozusagen postum, in seinem zweiten und erfolgreicheren Leben als Autor, knöpft sich Franzobel nun zwar ironisch, aber trotzdem recht liebevoll den alltäglichen Theaterzauber vor, das Hickhack der Kollegen (mit dem beliebten Schauspielerspiel, die Kollegen-Schlecht-Machen), die Absurdität Theater (jeden Abend auf der Bühne sterben) vor.
Natürlich ist auch die eine oder andere Hommage an große Theaterautoren erkennbar. Das fängt beim Personenregister an: die drei Rollen sind geschrieben für die Peymann Burgtheater-Stars Wolfgang Gasser, Ignaz Kirchner und Gert Voss (Gruß an Thomas Bernhard!) - mit der realistischen Ergänzung, die drei Namen werden gegebenenfalls durch "die Namen der jeweiligen Schauspieler ersetzt". Die drei Akteure, Schwerverbrecher, auf ihrer Flucht in die Freiheit, die doch wieder nur ins Theater führt ("Wir sind von Theater umzingelt" S. 83), fragen sich pausenlos, was sie eigentlich hier auf der Bühne sollen, wer sie sind, wohin das alles führen soll (Verehrung, Herr Beckett!). "Theater ist kein Pappenstiel" (S. 84), doch eine Pappnase bekommt das Theater bei Franzobel immer verpaßt.

Die Illustrationen am Cover und im Text stammen von Franzobel und seiner Freundin, der bildenden Künstlerin Carla Degenhardt. Zwei Motive dominieren, "Volksliedgruppen" wie aus dem Musikantenstadl und Heiligenbildchen mit ganz unheiligen Gesichtern. Wo vorher das Antlitz war, ist nun eine Brustwarze. Ein recht irdisches Paradies also. Das paßt nicht schlecht, beide Stücke wurden nämlich im Oktober 1998 am Linzer Landestheater zur Eröffnung einer kleinen Nebenspielstätte, der Eisenhand, uraufgeführt. Dort war früher ein Pornokino.

Karin Cerny
7. Dezember 1999

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