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Christian Ide Hintze: ide:[ampf]

notes, poems, sequences & songs
Spielzeit: 73:33 Min.
ISBN 3-221-14622-1
Extraplatte 2001

Literatur läßt sich nie nur auf den inhaltlichen Stoff reduzieren. Literatur ist immer sprachliche Bearbeitung von Stoff. Im Fall von Christian Ide Hintze, Lyriker, Performance-Poet und Leiter der Schule für Dichtung in Wien, trifft es sich, daß die Sprache und ihr Klang der eigentliche Stoff sind. Hintze schreibt Literatur aus dem Geist der Musik. Da klingen Töne, die Buchstaben, Silben, Laute sind. Hintze hat die Welt der amerikanischen Beat-Poeten - vor allem Allen Ginsberg, - nicht nur als Literatur sondern auch als Lebensstil begriffen und auf sich umgemünzt. Der Autor als Popstar, allerdings nicht im Sinn der aktuellen gecasteten Gruppen, sondern Pop durchaus im alten Stil des widerständigen Lebens, das ständig in Bewegung bleibt. On the Road. Von seiner Lehrtätigkeit rund um den Globus - von Kasachstan, Vietnam, Mexiko etc. - zeugen auch einige Tonbeispiele auf der reichhaltigen (76 Tracks) und vielfältigen "ide" CD. "class works": wie klingt eine Klasse in Hanoi, wie in Wien, wo man "rr-vf" als Sound einübt?

Play it Laut! Titel wie: nants mampf, da'ka, l-li lulu, ussn, velt ...Viele der kurzen Sequenzen - von Beginn der 80er bis Ende der 90er Jahre - haben die Qualität von Popsongs oder elektronischer Musik, sie gehen ins Ohr, sie sampeln, basteln Loops, klingen wie ein Country-Song oder eine Bob-Dylan-Ballade, oder wie ein Rap und im handumdrehen wie ein Jodler. Kurz angespielt und dann weiter zum nächsten Sound. On the Road. Hintze ist die ganze Welt Klang. Vieles ist gesampelt, in einer Metro aufgenommen, dann bearbeitet, ist ein "audio-mail" an eine Freundin (erstaunlich konkret: "bussi auf's bauchi, 's popschi waklt"), ob im Park bei den Vögeln oder in der Nähe eines Shopping Centers - Hintze hat stets sein Aufnahmegerät dabei. Besonders das Scratchen hat es ihm angetan, vor und zurück, die Texte haben Anlaufschwierigkeiten ("never knew how to start" - Gespräch mit Ginsberg), treten auf der Stelle und verdichten sich so zu einzelnen Wörtern, die in Schleifen wiederkehren. Manche der Tracks funktionieren wie kurze, schnelle Punksongs. Sie dauern gerade mal 16 Sekunden. Wenn man mit Hintze in Kontakt tritt, diesen Eindruck vermitteln die Ton-Sequenzen, dann kann man schon Klangmaterial werden. Gespräche mit Allen Ginsberg ("you put it on your cock") und Henri Chopin finden sich, mehrere "falco-telephone-samples": "ja i bins". Tondokumente, die auf ihre spezielle Art auch historischen Wert haben. Mitschnitte von Live-Performances auch dabei. Allen Texten gemeinsam ist, daß sie gewitzt sind und von einem recht lustvollen Umgang nicht nur mit den Lauten sondern auch mit der Welt, die uns umgibt, erzählen.

Originalbeitrag

Karin Cerny
29. Juli 2002

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