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Daniel Kehlmann: töten und andere tätigkeiten

Sprecher: Otto Clemens, Stefan Fleming, Daniel Kehlmann
Spieldauer: 60 Min.
ISBN 3-7085-0009-1
Preiser Records, Wien 2004

Drei Erzählungen aus dem 1998 erschienenen Erzählband "Unter der Sonne" werden auf dieser CD gelesen. Drei unterschiedliche Stimmen präsentieren die Texte des durch den Erfolg seiner Romane "Beerholms Vorstellung" (1997) und "Ich und Kaminski" (2003) bekannt gewordenen Autors.

Der längste der drei Texte ist "töten". In dieser Erzählung wird ein Sommertag beschrieben, ein Sommertag wie alle anderen im Leben eines Vierzehnjährigen, der, gelangweilt von der Ereignislosigkeit der Kleinstadt und seinem eigenen gleichförmig vor sich hin tröpfelnden Leben, zum Mörder wird. Otto Clemens liest den metaphern- und detailreichen Text präzise und mit leichtem Pathos, was der Erzählung durchaus angemessen ist. Der Rhythmus des Textes wird durch die Vortragsweise Clemens' unterstützt. Kehlmanns Erzählduktus fokussiert auf die Darstellung sinnlicher Wahrnehmungen und strukturierende Details, wie das wiederholte, fast schon zwanghafte Gähnen des Protagonisten und die Spiegelung des primären Handlungsfadens in den "tierischen" Textsequenzen, welche die verspielten Katzen, den Furcht erregenden Nachbarshund, eine an der Decke krabbelnde Spinne und einen "wie eine winzige Flamme" aufblitzenden Schmetterling beschreiben.

"Kritik" liest Stefan Fleming. Der Text ist ein längerer Dialog zwischen dem Schauspieler "Wagenbach", der, von Flugangst geplagt und außer Gefecht gesetzt, hilflos den Angriffen eines ziemlich unverschämten "Kritikers" ausgesetzt ist. Während des gesamten Fluges wird der seufzende, matte "Wagenbach" von der penetrant näselnden Stimme des Sitznachbarn gestört und heruntergemacht, bis sich am Ende herausstellt, dass dieser Mann selbst ein Phobiker ist und durch seinen Redefluss nur die eigene Anspannung und Panik zu verarbeiten versucht. Stefan Fleming verleiht den beiden Personen deutlich unterschiedliche Stimmen. Während das Organ des Schauspielers immer schwächer und weicher wird, spricht er den Dialogpartner Wagenbachs mit höherer Stimme und gibt ihm dadurch einen unsympathisch eindringlichen Unterton.

Den dritten Text "Auflösung" liest der Autor selbst. Daniel Kehlmann ist ein angenehmer Vorleser, ein guter Interpret seiner eigenen Werke, was bei AutorInnen ja nicht immer der Fall ist. Er liest die Erzählung ruhig und wenig akzentuiert, seine Stimme treibt die unaufhörliche Auflösung seiner stillen Hauptperson voran und führt sie fast ungerührt bis zum Ende. Die Religiosität des Mannes, der gegen seinen Willen gebildet und als Tontechniker bei Kongressen mit den elementaren Fragen der Wissenschaften konfrontiert wird, geht verloren, nachdem er feststellt, dass es eigentlich niemals und nirgendwo zu einer Einigung kommt. Die Leere und Gleichgültigkeit, die ihn zunächst die Idee einer Heirat vergessen lässt, dehnt sich allmählich auf sein gesamtes Leben aus und führt dazu, dass er sich immer weiter zurückzieht. Der Kontakt zu seinen Mitmenschen bricht schließlich völlig ab. Sein Blick verengt sich auf das Rechteck seines Fensters, und als er schließlich stirbt und nur das verwaiste Spitalsbett als kurzfristigen Zeugen seiner Existenz zurücklässt, schwingt eine leichte Wehmut in der Stimme des Autors mit.

"Er blieb noch einige Jahre in der Anstalt, dann plötzlich hörte er auf zu leben. Sein Körper sah friedlich aus, sein Gesicht unberührt, als wäre es nie in der Welt gewesen und sein Bett bekam ein anderer."

Interessant ist die Auswahl der Texte. Der Erzählband "Unter der Sonne" umfasst insgesamt sechs Erzählungen. Für das Hörbuch wurden jedoch nur drei Texte ausgesucht, die alle von Wendepunkten und schwierigen Situationen im Leben ihrer Hauptfiguren handeln. Die drei männlichen Protagonisten befinden sich jeweils in unterschiedlichen Krisensituationen.
Während die Hauptperson in "töten" ihre pubertäre Sinnkrise durch Aggression und Machtgewinn löst, wird der Schauspieler Wagenbach durch die Konfrontation mit der Kritik seines Sitznachbarn erst in eine Sinnkrise gestürzt, die ihn schließlich dazu bringt seinen Agenten um die Absage seines nächsten Termins zu bitten. In "Auflösung" führt der Sinn- und Glaubensverlust des namenlosen Protagonisten letztendlich zu völliger Passivität und Handlungsverweigerung.

"Töten und andere Tätigkeiten" ist ein abwechslungsreiches Hörbuch. Die eher kurzen Texte und die unterschiedlichen Stimmen erleichtern das Zuhören, machen es den HörerInnen einfach, dem Text zu folgen und lassen keine Langeweile aufkommen. Die Entdeckung der CD ist aber Daniel Kehlmann selbst, der als Lesestimme durchaus mit dem Vortrag ausgebildeter Sprecher mithalten kann.

Originalbeitrag

Astrid Reupichler
2. November 2005

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