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Leseprobe: Martin Amanshauser - "Im Magen einer kranken Hyäne"

Noch einmal lese ich die Stelle im Fortsetzungskrimi: "Fledermäuse schmatzen in den Kellern von Margareten, wo schwarze Schatten bluten. Der Panegyriker hat Ratten ausgelegt." Dieser gräßliche Stil!
Ich humple durch meine Wohnung in der Hauslabgasse; die Verletzung am Fußballen ist nämlich noch immer nicht ausgeheilt. Er kribbelt, als würde eine Reisegruppe hyperaktiver Ameisen durch das frische Blut meiner Sohlen waten. Manchmal bleibt die eine oder andere Ameise stehen und sagt zu ihrem Boyfriend:
- Stell dich mal direkt vor diese urgeile Blutbahn, ich muß da ein Foto knipsen!
- Eine Blutbahn aus dem Ende der sechziger Jahre!, erklärt ein vorlauter Ameisenfremdenführer, der Historie studiert hat.
Mein Äußeres kümmert sich nicht um solche Respektlosigkeiten. Ich besitze ein Äußeres, muß ich dazusagen, das auf was in meinem Inneren vorgeht scheißt. Es untersucht unbeeindruckt den handgezeichneten Plan, jenen Zettel, den mir der Anarcho zugesteckt hat. Deutlich erkennt man die Umgebung der Hauslabgasse. Zu meinem Unbehagen ist das Haus, in dem ich wohne, mit konzentrischen Kreisen markiert - wie ein Auge oder eine Zielscheibe. Darunter steht in krakeliger Schrift: "Kellerabteil 19". (S. 31)

Das gefrorene Schloß des Kellerabteils 19 taue ich mit dem Flammenwerfer auf. Von innen dringt ein Gestank, gegen den der Magen einer kranken Hyäne Niveaduft aus einem Frischpopo wäre. Ich presse meine Nasenflügel mit dem Klupperl zusammen. Langsam gewöhnen sich die Augen an die Dunkelheit ... da liegen Rattenkadaver in allen Größen, in deren Eingeweiden silbrig glänzende Fledermäuse hocken, die mit schmatzenden Schnabelgeräuschen brettljausnen.
Wenn Hieronymus Bosch eine Ratte gewesen wäre, er hätte hier gute Motive gefunden. Weiter vorne liegt ein helles Holzstück. Weil eine Schrift darauf zu erkennen ist, hebe ich es auf.
Der Leser wird mir nicht verdenken, daß ich das Kellerabteil 19 nun schließe, um die Mahlzeit nicht zu stören. Ich schließe es ziemlich schwungvoll. (S. 32f.)

(c) 1997, Deuticke, Wien, München.
Publikation mit freundlicher Genehmigung des Verlags.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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