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Herbert Rosendorfer: Die Kellnerin Anni

Gelesen von Lisa Kreuzer
2 CDs
Gesamtspielzeit: 149:44 Min.
ISBN 3-7844-4007-X
München: Langen Müller Audio-Books, 2002

Herbert Rosendorfer gehört zu den populärsten Schriftstellern im deutschsprachigen Raum. Sein "Ruinenbaumeister", seine "Briefe in die chinesische Vergangenheit" sind weitum bekannt. Der pensionierte Richter und ausgewiesene Musikkenner Rosendorfer versteht es wie kaum ein Zweiter das Lächerliche in manchem Leben vorzuführen. Er verwendet dazu neben Erzählung und Roman immer schon dramatische Formen. Das vorliegende Hörbuch liegt zwar auch als Erzählung vor, geht aber auf ein Dramulett zurück, das Angelika Sedlmeier mit großem Erfolg aufgeführt hat.

Der in Bozen geborene und heute wieder dort lebende Autor, der übrigens im Februar 2004 siebzig Jahre alt wird, hat in seinen Miniaturen meistens zwei Bevölkerungsschichten im Auge, die sogenannte (bzw. selbsternannte) Hi-Society und Leute, wie die Kellnerin Anni, die manches durchschauen, aber dann doch wieder nichts kapieren. Kokett rechnet sie am Ende des Stückes mit dem Besserwissen der Zuhörerschaft, zumindest der männlichen, wenn sie für sich eingesteht: "Man weiß eigentlich überhaupt nichts, oder?"

In gut zwei Stunden erzählt uns die Kellnerin aus ihrem beruflichen Werdegang und vor allem von ihren Lebensabschnittspartnern. Die Kellnerin möchte eine Dame sein, obwohl sie befürchtet, dass sie als Dame das ganze Leben so tun muss, als hätte sie "keinen Unterleib". Vorweg schon, am Schluss, wo sie dann tatsächlich eine Dame ist, spürt sie nur mehr ihre Müdigkeit.

Volker Gerth setzt in seiner Regie ganz auf die Bambi-geehrte Lisa Kreuzer, die viele aus Wim-Wenders-Filmen aber auch aus Serien wie "Derrick" kennen. Sie trägt mit Bravur einen Text vor, der tiefe Einsicht und vorlauten Kalauer, vordergründige Pointe und lebenserfahrene Einsicht in das Menschliche dicht aufeinander folgen lässt. Sie überlässt es ganz der Hörerin und dem Hörer, worüber sie oder er letztlich lachen will. Zum Lachen kommt es auf jeden Fall. Ihr Münchnerisches wirkt zumindest auf einen Oberösterreicher höchst authentisch.

In den ersten Szenen erzählt Anni in der Besenkammer einer drittklassigen Gastwirtschaft namens "Sängerheim" und in ihrer Einzimmer-Wohnung von ihrer Enttäuschung mit dem knausrigen Sportler Giselher, von Max, der ihr rotfärbendes Haarshampoo erwischt und damit die Affäre auffliegen lässt, von Urban, den die Frauengruppe "Vorderfrau" zur Frau ehrenhalber ernennt, einem Bildhauer, der den Preis eines Unterhöschens und Anni falsch einschätzt und vom Randlsbeck Günther, mit seinen starken Sprüchen und traurigem Abgang.

Der zweite Akt ist eine Art Zwischenstück, auf der CD als "Zigarettenpause" bezeichnet, in dem eine missglückte Pilgerreise geschildert wird, an deren Ende ein Unfall und die Wende in Annas Leben steht. "Sieben Jahre später" kann sie uns von ihrem "neuen Glück" berichten. Sie ist nun Frau Konsul Anna M. Frohmund, verheiratet mit dem "Salz-und-Pfeffer-Schnauzer" Konsul Karl-Heinz M. Frohmund. Es geht jetzt rich and beautiful zu, was einige Seitenhiebe auf den Wintersport und das Skifahren, auf Oberflächlichkeit und Leere zur Folge hat. Im Epilog hält sich die gealterte ehemalige Kellnerin und Kurzzeitarbeitslose in Venedig auf, wo sie erfährt, dass das Paradies darin bestehen muss, nie mehr müde zu sein. Der Humor ist nicht immer fein, aber stets unterhaltend. Die Frauenfeindlichkeit soweit getrieben, dass sie bereits in ihr Gegenteil umschlägt. Zusammen zwei Stunden gekonnte Unterhaltung.

Helmut Sturm
28. Jänner 2004

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