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Georg Trakl: Ich bin eine Welt

Briefe und Gedichte - eine Collage
Interpret: Ulrich Mühe
ISBN 3-491-91031-5
Spielzeit: 64:43 Min.
Patmos Verlag GmbH & Co KG 1999

Ulrich Mühe hat sein Trakl-Programm, das er in Berlin, Wien, Salzburg, Zürich und anderswo mit Erfolg vorgestellt hat, für diese CD zu einer Collage erweitert. Neben Gedichten aus dem Nachlass, vor allem aus der sogenannten "Sammlung 1909", aus dem Band "Gedichte" (1913), und dem noch zu Trakls Lebzeiten vorbereiteten Buch "Sebastian im Traum", das posthum 1915 erschienen ist, enthält das Hörbuch Abschnitte aus Briefen Trakls sowie den "Wiener Gemüths-Walzer op 116" von Johann Strauß (sen.) gespielt von den Wiener Symphonikern unter Robert Stolz.

Trakl schreibt 1909 an seinen Verleger Kurt Wolff: "Wenn sie der Gedichtsammlung einen anderen Titel gegeben wissen wollen, so schlage ich ihnen jenen vor, den die Sammlung ursprünglich trug 'Dämmerung und Verfall'. Ich glaube, daß er alles Wesentliche ausdrückt." Mir scheint, dass dieser Titel auch für diese Compact Disc gut passen würde, ist doch kaum zu überhören, wie sich in der Welt Trakls der dramatische Untergang einer Epoche spiegelt.

Die Stellen aus den Briefen illustrieren vor allem Trakls Verhältnis zu den Städten Salzburg, Innsbruck und Wien, zeigen sein Ringen um den Text, seine Sensibilität für die Abgründe des Lebens ("... ich habe die fürchterlichsten Möglichkeiten in mir gefühlt ..."). Schon das erste Zitat aus dem ältesten erhaltenen Brief Trakls macht auf das Suchtproblem des Expressionisten aufmerksam: "Um über die nachträgliche Abspannung der Nerven hinwegzukommen habe ich leider wieder zum Chloroform meine Zuflucht genommen. Die Wirkung war furchtbar."

Mir gefällt gut, wie Ulrich Mühe die Gedichte rezitiert. Er zeigt großes Einfühlungsvermögen, liest sehr gescheit, so dass die disparate Bilderflut bei Hörerinnen und Hörern bereits strukturiert und nachvollziehbar ankommt. Etwas übertrieben wirkt auf mich die Aufgeregtheit, mit der einzelne Briefstellen gelesen werden, berichten doch die "Innsbrucker illustrierten Nachrichten" vom 14.12.1913 über eine Lesung Trakls, dass dessen "Vorlese-Art besser für einen intimen Zirkel als für einen größeren Saal" geeignet gewesen wäre.

Erschütternd und beeindruckend das Ende der CD, ohne das bekannte "Grodek", aber mit den emphatisch interpretierten Gedichten "Abendland" (4. Fsg.) und "Klage" und klug gewählten Abschnitten aus letzten Briefen.

Gewünscht hätte ich mir für diese CD ein etwas ausführlicheres Booklet, das zumindest die Titel der gelesenen Gedichte auflistet und vielleicht auch einmal die Fassung angibt.

Originalbeitrag

Helmut Sturm
28. März 2002

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