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Josef Weinheber: Ewald Balser und Albin Skoda lesen Weinheber

Der Schöpfer stirbt, Geschaffnes kommt zu Jahren
Ewald Balser spricht Gedichte von Josef Weinheber
Auswahl und Zusammenstellung (Musik und Wort):
Oscar Deleglise
ISBN: 3-902123-10-9
Mono
Spielzeit: 37:31

Albin Skoda spricht Josef Weinheber
Aus "Wien wörtlich"
ISBN: 3-902123-11-7
Mono
Spielzeit: 52:56

Beide: Preiser Records 2001

Nebelschwaden ziehen durch die Gedichte Josef Weinhebers. Ewald Balsers vertraute Stimme erzählt mit leisem, getragenen Pathos von Tod und Vergänglichkeit, vom ewigen Jammertal. Es herrscht Allerseelenstimmung. Kurze musikalische Intermezzi von Bruckner, Beethoven, Brahms, Cesar Franck und Schubert untermalen die düsteren Einflüsterungen des gefeierten Burgschauspielers. Am Kaminfeuer sitzt der Zuhörer, einen Rosenkranz gegen den Teufel anbetend.

Die Stoptaste auf dem CD-Player erlöst mich aus meiner Beklemmung und erinnert mich daran, dass ich im säkularisieren 21. Jahrhundert lebe. Ich muss die Schattenwelt abschütteln. Weinhebers Lyrik stammt aus einer anderen Zeit, aus einer unbestimmten Vergangenheit, in der das schwärmerische Pathos noch einen festen Platz in der Künstlerseele hatte. Seine literarischen Wurzeln sucht der niederösterreichische Lyriker, trotz seiner Bewunderung für Karl Kraus, nicht in der Gegenwart, sondern in klassischen Oden, Hymnen, Terzinen und Sonettenkränzen. Hölderlin und "die Alten" sind seine verklärten Götter. So scheint es fast grotesk, dass Weinheber ein Zeitgenosse Robert Musils oder James Joyces war. Der Autor verschließt seinen Blick vor der Gegenwart, die politischen und wirtschaftlichen Wirren des österreichischen Ständestaates, sind ihm zutiefst zuwider, die Nazi(horror)visionen vom Ewigen Dritten Reich schon früh ein verblendeter Fluchtpunkt.

Preiser Records hat zwei historische CD-Aufnahmen mit Weinheber-Lyrik neu aufgelegt. Ewald Balser liest die eine Sammlung ("Der Schöpfer stirbt, Geschaffnes kommt zu Jahren", zusammengestellt von Oscar Deleglise, 1954) und Albin Skoda, ein anderer berühmter Burgschauspieler, die zweite.
Die beiden CDs aus den fünfziger Jahren zeigen bewusst nur die unpolitische, metaphysische Seite Josef Weinhebers. Während bei ersterer nach einer Weile Weihrauchschwaden aus den Lautsprechen dringen, zeigt die zweite Aufnahme den Lyriker in einem etwas sanfteren Licht. Albin Skoda hat ganz offensichtlich die glücklichere Auswahl der Gedichte (überwiegend aus dem Band "Wien wörtlich") getroffen. Denn obwohl sich Ewald Balser redlich bemüht, wird das Zuhören zur Qual, sobald das apokalyptische Pathos Weinhebers auch in seiner Stimme vibriert. Die berühmte "metallische Stimme" Albin Skodas versucht sich - wie übrigens auch Oskar Werner - an Weinhebers lyrischen Milieu- und Charakterstudien aus dem Gedichtband "Wien wörtlich". Diese Texte zeigen den Dichter einmal in einem anderen Licht. Er, der seinen Helden die schwierigsten Jamben zumutet, schreibt plötzlich in Mundart. Die Szenen, die er schildert, sind lebensnah, echt und - es ist kaum zu glauben - manchmal komisch. Albin Skoda gelingt es darüber hinaus, die allzu idyllischen Passagen, die hart an die Grenze zum Kitsch streifen, zu mildern.

Das Werk Josef Weinhebers ist heute in Vergessenheit geraten (und ein Großteil in der Vergessenheit gut aufgehoben); der Versuch von Preiser Records, dem abzuhelfen, ist sicher ehrenwert. Problematisch scheint mir bei diesem Unterfangen, dass Preiser die Aufnahmen völlig unkommentiert neu herausbringt. Die Nazi-Verstrickungen Weinhebers, seine Jubellyrik auf das Dritte Reich, stehen nicht völlig abgetrennt und außerhalb seines Werks. Auch in Österreich hat - wenn auch mit Verspätung - ein Prozess der Auseinandersetzung mit der Vergangenheit begonnen. Dabei geht es mir nicht um eine Verurteilung Weinhebers, sondern um die Positionierung seines Werks. Preiser Records hätte sich zumindest bei den CD-Booklets, die so, wie sie jetzt vorliegen, völlig nichtssagend sind, diese Mühe machen sollen. Vielleicht hätten die Aufnahmen aus historischer Sicht betrachtet ein neues Gewicht bekommen, denn Weinhebers Lyrik kann, für sich allein genommen, nicht von Ewald Balser und nicht immer von Albin Skoda zu neuem Leben erweckt werden - eine verpasste Chance.

Originalbeitrag

Anne Zauner
28. Jänner 2002

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