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Franz Werfel: Der Tod des Kleinbürgers

Gelesen von Stefan Fleming
2 CDs
Spielzeit: ca 125 min
ISBN 3-7085-0037-7
Preiser-Records 2003

"Weniger Poesie, Werfel!", läßt Karl Kraus in den "Letzten Tagen der Menschheit" den Leiter einer Propagandaabteilung des k.u.k-Militärs den dort tatsächlich beschäftigten Autor zurechtweisen, und er trifft damit einen wichtigen Aspekt von Werfels Schaffen: Der Autor war Kind der Monarchie wie wenige, ohne aber blind zu sein für die psychischen Deformierungen, die ein System wie das des Kaisers Franz in den Seelen seiner Bürger verursacht, und mit der Fähigkeit ausgestattet, diese in seiner Prosa auch darzustellen. Die Widersprüche, mit denen uns Heutige seine Anpassung an den Militärapparat und die extrem ausgeprägte, geradezu ritualisierte Klassengesellschaft des "alten Österreich" konfrontieren - er hat sie nicht nur belebt, sondern, fast distanziert, auch beschrieben.
"Der Tod eines Kleinbürgers" ist vielleicht jenes Werk Werfels, in dem das am augenfälligsten wird: Schonungslos beschreibt er die dumpfe Sehnsucht nach besseren Zeiten, die Manipulierbarkeit und Wertegläubigkeit einer heruntergekommenen Schichte von Beamten in den Zwanzigern des letzten Jahrhunderts. Werfel ergreift in aller Schonungslosigkeit Partei: Was man "mehr Stil" nennt, ist seinen Kleinbürgern zu eigen, ein Bewußtsein alter Größe hält sie davon ab, "sich gehen zu lassen". Auch weiß er - und das ist, was ihn als "großen Autor" durch die Zeit gerettet hat - wie man Prosa im Sinne eines "inneren Jugendstils" ästhetisiert und auflädt.

Nun ist dies keine Buchbesprechung eines jüngst erschienen Textes, "Der Tod eines Kleinbürgers" ist bekannt. Was hier verhandelt wird, ist das Hörbuch, das Preiser Records in der "Stefan Fleming liest"-Reihe herausgebracht hat. Doch für dessen Beurteilung wird der Jugendstil in Werfels Prosa relevant: Fleming folgt diesem präzise, arbeitet die Zwischentöne heraus und liest zudem sowohl flüssig als auch wohlstrukturiert. Er stellt, mit anderen Worten, so gut wie nichts zwischen Text und Hörer.
Die fast symphonische Interpretationsweise, mit der er Satzbau und Szenengestaltung Werfels umsetzt, ist gelungen - allein, da liegt das Problem: Die Sätze schillern unter dem Zugriff des großartigen Fleming, doch die Handlung - eine traurige Geschichte vom traurigen Lavieren zwischen Traum und Lebenszwängen - ist nicht dafür gemacht, ein solches Schillern, wenn akustisch rezipiert, zu tragen. Was im Buch eine Reihe von leisen Andeutungen war, diese oder jene Facette mit zu bedenken, wird hier zum überdeutlichen Leuchtfeuer. Warum? -
Die Antwort mag paradox klingen. - Weil Werfels Prosa letztlich leise ist. Werfel verstand es, Atmosphäre zu erzeugen, ohne daß der Leser sich der Mittel bewußt wurde, die zu seiner Verzauberung aufgeboten wurden. Dieser für den Text "Tod eines Kleinbürger" so wichtige Kunstgriff wird vom Hörbuch, wohl gezwungenermaßen, konterkarikiert.

Originalbeitrag

Stefan Schmitzer
20. Mai 2003

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