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Ditha Brickwell: Vollendete Sicherheit.

Ein Essay.
Wien: Mandelbaum, 2003.
68 S.; geb.; m. Ill. von Linda Wolfsgruber; Eur[A] 9,80.
ISBN 3-85476-104-X.

Link zur Leseprobe

Sicherheit - ein großes Wort, ein brisantes Thema, das uns alle insgeheim brennend interessiert. Wer ist nicht in irgendeiner Weise versichert, gegen Einbruch, Unfälle und Schäden jeglicher Art. Wer macht sich nicht Sorgen um unsere allgemeine Sicherheit, um die Sicherheit unseres Landes, unserer Gesellschaft. Von klein auf wird uns mehr oder weniger am guten Beispiel der Erwachsenen vorgeführt, dass es wichtig ist, sich im Leben abzusichern. Bedenkt man die eigentlichen Wurzeln des Begriffes "sicher", nämlich das lateinische "securus", was soviel bedeutet wie "ohne Sorge", dann ist man schnell dort angelangt, wo ein jedes Individuum wahrscheinlich gerne sein möchte - im schulden- und straffreien Raum der Zufriedenheit. Nachdem das aber alles nicht ganz so einfach ist, das Netz der hochtechnologisierten so genannten ersten Welt sich immer enger zu knüpfen scheint, die politischen Kontexte sich dagegen immer mehr abstrahieren, bedarf es durchaus einer Hinterfragung dessen, was mit dem Schlagwort "Sicherheit" heutzutage noch anzufangen ist, wie man es angesichts der weltweiten Terroranschläge, Umweltkatastrophen, Unternehmenszusammenschließungen und -brüche noch interpretieren kann.

Ditha Brickwell hat sich diesem äußerst komplexen Thema auf vielschichtige Weise gewidmet. Auch wenn mit dem Untertitel darauf hingewiesen wird, dass es sich um einen Essay handelt, gleicht das vorliegende Bändchen doch viel eher einem Theaterstück, dessen Kulissen kongenial von Linda Wolfsgrubers abstrakt-gegenständlichen Illustrationen geliefert werden. Eingebettet in eine Atmosphäre der Behaglichkeit entspinnt sich ein Dialog, der kaum eine Facette unserer modernen Sicherheitsgesellschaft übersieht.

Die ProtagonistInnen sind zum einen eine Historikerin, zum anderen eine Theologin, Vertreterinnen zweier wissenschaftlicher Disziplinen, deren Fundamente in mancherlei Hinsicht differieren, auf jeden Fall aber hinsichtlich eines Themas wie der Sicherheit. Sie werden flankiert von wenigen Figuren, die als "der Österreicher", "die Dänin" etc. charakterisiert sind. Ein Hund schafft schließlich durch seine Aktionen Kontakt zur Außenwelt der Berliner Straßen.

In der Friedenauer Wohnung der Theologin B. treffen sich regelmäßig Menschen, um zu kochen und bekocht zu werden. Innerhalb dieses durchaus sinnlichen Rahmens wird sozusagen über Gott und die Welt diskutiert, und der Leser ist Zeuge, wie eben diese Angel, die - so könnte man sagen - Gott und die Welt zusammenhält, der Glaube beziehungsweise die Sicherheit, von vielen Seiten beleuchtet wird. Er wird Zeuge eines Zwiegesprächs, das sachliche ebenso wie emotionale Aspekte abdeckt. Wirtschaftswunder, Technik, Generationenkonflikt, das Phänomen Geld als solches, Gesundheitswesen, nationale Sicherheit und Rechtsstaat bis hin zum Weltraumanzug - die Autorin lässt keine Gelegenheit aus, uns zu zeigen, wie widersprüchlich sich unsere Sehnsüchte in diesem Netz verstricken, um zu dem Punkt zu kommen, dass der wahre Held der Abenteurer sei, und seine Mutter "Eva im Paradiese [...], die erste Extremwanderin - denn sie wagt den Biss in den Apfel, den ersten Schritt zur Erkenntnis, also den ersten Tapper ins Unbekannte: sie legt die Fußspur in die Zeit" (S. 59f.).

Aber die eigentliche Kernaussage lautet: Je mehr wir uns den vermeintlichen Sicherheiten, die uns die Gesellschaft als unumgänglich verkauft, anvertrauen, desto wahrscheinlicher führen wir "ein Leben im Konjunktiv" (S. 62). Und um dem Leser die Gefahr zu veranschaulichen, wird er gleich zu Beginn der Lektüre mit folgenden Worten in die Falle gelockt: "Sicherheitshinweis: Die Anmerkungen erst am Ende der Geschichte lesen ..." Nicht schwer zu erraten, dass den hochgestellten Ziffern im Text keine Erklärung folgt. Die Moral von der Geschichte kommt auch so an den Leser.

Claudia Holly
13. September 2004

Originalbeitrag

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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